Distaaaaaaaahhhnzunterricht

Klarstellung

Ich bin voll für eine Reduzierung der Kontakte und eine Schliessung der Schulen. Alles gut.

Als wir Mitte März von einer zur anderen Woche auf Homeschooling/Homelearning/whatever wechselten, waren wir beide noch voll dabei.

Vom 2ten Lockdown (light) haben wir zwar auch einiges mitbekommen, die großen Kinder haben sich ihren Kram aber hauptsächlich via Teams zusammengesucht und es gab 2-3 Arbeitsblätter per Post. Wahrscheinlich weil man die nicht einscannen darf aus Gründen der Verwertung, fragt unsere Schulbuchverlage. Und es gab 2-3 Video Calls, die uns noch mal ziemlich gestresst haben.

Aber.

Aber.

Aber …

Was jetzt als Distanzunterricht verkauft wird, entspricht nicht dem relativ entspannten Modus von März bis zu den Pfingstferien. Was wir DeFacto haben ist Präsenzunterricht (zumindest für eine Klasse von fünf) und läuft, nach aktuellem Stand, auf vier Videokonferenzen am Tag hinaus. Im Falle des mittleren, ist er von 9 bis 12:30 Uhr mit Unterbrechungen praktisch kontinuierlich Online. Mit einer Nachmittagssession als Tagesabschluss und einer Freitags um 12:30 Wochenabschlusssession.

(Frage: Müssen Lehrer Stunden nachweisen?)

Wenn ich also nicht im März schon meinen Gamingrechner geopfert hätte und den zweiten Windows Rechner, den ich von einem Freund bekommen habe, nach oben gestellt und zwei Headsets gekauft hätte und die Internetleitung auf 300 MB aufgeschraubt hätte, wären wir, höflich formuliert, am Ar***

Und noch mal – keine Schuld Richtung Schule, keine Richtung Lehrer. Die haben einen tollen Job gemacht und sind mit dem HickHack der Ministerien toll umgegangen. So toll es eben bei 3-4 Emails die Woche mit teils widersprüchlichen Anweisungen vom Kultusministeriums geht.

Wir sind privilegiert genug, letztes Jahr an etwas Geld gekommen zu sein um sowas wie Druckerpatronen, Papier, Internet, Strom und eben Headsets aus dem Laufenden zu bezahlen ohne dafür sparen zu müssen. Ja, im September gab es dann mal Geld vom Staat.

Ich liste bewusst jetzt mal nicht was die Masken gekostet haben und wieviele fünf Kinder in einer vollen Präsenzwoche jeden Tag brauchen und die eine zusätzliche Waschmaschine bedeutet haben (Strom, Wasser, Spülmittel, Zeit!!)

Was wäre, wenn wir, wie Bekannte aus dem Kindergarten, auf fünf Zimmern mit sechs Kindern sitzen, möchte ich mir gar nicht ausmalen.

Was wäre mit nur einem Kind den gesamten Kontakt und Frage, sowie Sozialbedarf des Kindes abzufangen, den Schule/Freunde nun mal abfangen – don’t get me started – Stichwort „Waldspaziergang“ auf Twitter.

Wir haben aktuell vier Kinderzimmer und fünf Schreibtische, sowie drei Desktop PCs mit Monitor, sowie ein 2010er MacBook Pro (der Familienrechner). Privileg, ich weiß.

Des Weiteren habe ich im Laufe der Jahre in jedem Stockwerk einen WIFI Router installiert.

Ich bin Nerd und Techie seit ich neun Jahre alt war.

Wer kann das Shirt entziffern?

Jetzt stellen wir uns mal die durchschnittliche Familie vor, mit dem einem verstaubten Telekomrouter im Flur und einem vier Jahre alten Laptop – are you kidding me?

Wir reden noch nicht mal von Datenschutz, der geht mir aktuell komplett am A vorbei in Bezug auf Zoom, Teams oder ähnlichem.

Wir leben in einem Land in dem einige Dörfer jetzt noch nicht am Breitband hängen, in dem Fax das Mittel der Wahl in der Medizin ist, in dem Digitalisierung noch immer mit dem „Neuland“ zu kämpfen hat.

Ich sag nicht mal „Ihr hattet Monate Zeit“ weil die Umsetzung dieser Themen leider mehr Zeit braucht und vom föderalen und bürokratischen System blockiert wird, so zumindest mein Eindruck aus der Vergangenheit.

Aber Präsenzunterricht in den Distanzunterricht zu legen, ist nicht die Lösung. Und vor allem nicht IMMER mit dem Gefühl dass alle ja viel lieber Präsenzunterricht IN DER SCHULE machen möchten. Nächste Woche am Besten.

Ja weiß ich – wir hätten auch gerne alle Kinder in der Schule und alle im Kindergarten und hätten morgens mal Luft zum Atmen mit nur zwei Kindern. Die Zahlen sagen aber schlicht Nein – und da würde ich mir wirklich von der Politik ein Zeichen wünschen.

Ein

„So, dieses Jahr im Distanzunterricht, hier ist der Schlüssel dass bei den Arbeitgebern durchzusetzen, hier ist die Notbetreuung für systemrelevante Berufe und Berufe in der Produktion, der Rest bleibt zu Hause und betreut seine Kinder, hier sind Extra Urlaubstage die dafür reichen und jetzt „Stay the fuck at home““ plus guter Betreuung der Kids damit wir nicht alle wahnsinnig werden und Geld für Ausstattung“

und

„ah btw wer Skifahren geht oder Party macht zahlt 1000 Euro, das Geld wird dann zur Finanzierung der anderen Sachen genutzt, sowie Breitband für alle Lehrer und für die Notbetreuungskinder Luftfilter und Gratismasken, ach und lass mal die Kids+Lehrer in der Impfreihenfolge nach oben rücken“

For fuck sake, gibt es niemanden mit genug Einfluss in der Politik und entsprechendem Sachverstand?

Please!

2 Gedanken zu „Distaaaaaaaahhhnzunterricht“

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