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Hausgeburt Nummer Drei

Ende Juli sollte Henry kommen. Unser neuntes Kind und die Hausgeburt Nummer Drei. Die erste war Zelda, die zweite Lilou, wir erinnern uns.

Errechneter Termin war der 29te Juli.

Einen Tag nach Antons Geburtstag und Dankbarerweise auch nach dem Geburstag meiner gerade erst verstorbenen Schwiegermutter Monika.

Wie „immer“ fing Frau Hitze kurz vorher mit Ihrem obligatorischen Countdown auf Instagram an.

Ein Kind bekommen bedeutet immer, sich auf Veränderung einzulassen und mit dem Unerwarteten zu „rechnen“. Dass dieses Kind in einer so seltsamen Zeit kommen würde, hatte definitiv niemand erwartet.

Nach der Kündigung in Probezeit nach der Elternzeit im September, dem Unfalltod meines Vaters im Oktober, dem unerwarteten Tod meiner Schwiegermutter im Februar und dem Fettfleck der Geschichte namens Corona, war ich grob auf alles vorbereitet gedanklich.

Über das erneute Ausfallen der Abflusspumpe der Waschmaschine am errechneten Termin, genau wenn ich dass eine Mal seit Monaten in München bin, brauchen wir am Besten nicht reden. Es reiht sich einfach ein.

Aber zurück zur Geburt. Jeden Abend bin ich die letzten Wochen ins Bett und dachte „Na, mal gucken ob ich das Buch noch zu Ende lesen kann, bevor Henry kommt“. Jeden Tag hab ich ein bisschen an irgendeinem Projekt geschraubt und gesagt „Na, ob ich damit noch weiterkomme“

Und er kam einfach nicht. Tsk Tsk

Und irgendwann wird man dann ja auch ein bisschen undgeduldig, so als würde sich alles ändern und das Gras wäre plötzlich grüner und alles wäre gut und toll.

Freitag auf Samstag wären vier Kinder weggewesen, perfekt also für eine Geburt – da kam natürlich Henry nicht.

Samstag auf Sonntag, war dann nur ein Kind nicht da, noch dazu ein Höhlenteenager, auch kein Henry zu sehen.

Tja am Sonntag jedenfalls, kam nach längerer Hitze-welle (*scnr*) die Abkühlung in Form von Dauerregen. Der negative Part am Regen – alle Kinder wieder im Haus ohne Möglichkeit sie zu lüften und vielleicht mal mit Lilou auf den Spielplatz zu gehen.

Die eine kurze Pause nutzen Lilou und ich um uns den Garten von der Rückseite anzusehen und unseren Blauregen zu bewundern.

Inzwischen hatten wir auch echt alles vorrätig und parat. Das Schlafzimmer mehrmals gewischt und gesaugt („Hey, wenn ich dass mache, dann ist ja alles fertig und er kann kommen.“, „Wenn die Schmusedecke endlich ankommt, dann kann er kommen“, etc, usw)

Montag früh dann aber …

Erste Anzeichen einer Geburt? Man weiß es nicht.

Na ok, ich schon – weil ich meine Frau ja doch bei einigen Geburten begleitet habe, hab ich gerade mal 1.5 Stunden später der Hebamme schon mal einen Wink gegeben und rief sie um 10:30 Uhr an, ob sie sich vielleicht auf den Weg machen würde.

In der Zwischenzeit veratmete Jeanine einige sehr schmerzhafte Wehen.

Die Kinder hatten gefrühstückt in der Zeit und schauten einen Film im Wohnzimmer. Selbst Lilou war für ihre Verhältnisse handzahm und ich hab Zoe Bescheid gegeben dass die Kleinen jetzt mal einen Moment bitte nicht zu uns ins Schlafzimmer kommen mögen. Noah schlief noch, wie so ein Teenager und hat von der Geburt nix mitbekommen.

Zwischendrin hab ich eben die Malerfolie unters Laken fabriziert, eine Geburt sind Blut, Schweiß und Körperflüssigkeiten, believe me (nehmt alte Laken!)

Kurze Zeit später war die Hebamme bei uns und Jeanine auf dem Bett und selbst bis hier hin war die Fruchtblase noch nicht auf.

Zwei, drei kräftige Wellen später hab ich endlich erfahren wieso man es auch Blasensprung nennt. Sagen wir so, ich bin froh dass ich den Vorhang vom Bett hoch gehängt habe und um die Malerfolie und das alte Laken.

Noch eine Wehe, es war rund um 11:45 Uhr und zack, das Köpfchen und zack war Henry da. High Noon!

Während Henry auf Mamas Brust rumlag und alle so langsam runterkommen konnten, wurde die Plazenta geboren und ich hab mich mit der Hebamme um die Laken und 101 anderer Kleinigkeiten gekümmert, die man so bei einer Geburt machen muss.

Dann hab ich Henry auf die Brust bekommen und die Plazenta in einer Schüssel auf die Knie, damit Isabell, unsere Hebamme, sich um Jeanine kümmern konnte. Kurz darauf durfte ich die auspulsierte Nabelschnur durchschneiden, Nabelschnur Nummer 9 dann jetzt ganz offiziell :)

Inzwischen hatte auch Lilou Ihren Weg zu uns ins Zimmer gefunden und bestaunte Ihren neuen Bruder.

Ich organisierte ein Glas Sekt für uns Große und die Kinder machten Stück für Stück Ihre Aufwartung bei Mama und Henry.

Zwischendrin hab ich dann Mittagessen aufgewärmt, Verwandte informiert und den Haushalt ein bisschen am Laufen gehalten. Irgendwie war aber, wie so oft, die Transition von einer 8-Kind Familie hin zu Eltern eines weiteren Neugeborenen, kein großer, aber ein markanter Schritt. Eine Hausgeburt eben. Und ich würde es übrigens wieder tun, also wenn wir uns entschliessen die 10 noch „voll“ zu machen.

Btw, Wer uns gern eine Freude machen möchte, aber nicht weiß wie und es unkompliziert mag, wir haben noch ein paar Geschenkideen für uns oder die Mäuse und sammeln dafür hier etwas Geld

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