Hausgeburt Nummer Drei

Ende Juli sollte Henry kommen. Unser neuntes Kind und die Hausgeburt Nummer Drei. Die erste war Zelda, die zweite Lilou, wir erinnern uns.

Errechneter Termin war der 29te Juli.

Einen Tag nach Antons Geburtstag und Dankbarerweise auch nach dem Geburstag meiner gerade erst verstorbenen Schwiegermutter Monika.

Wie „immer“ fing Frau Hitze kurz vorher mit Ihrem obligatorischen Countdown auf Instagram an.

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Die letzten zwei Tage waren doch sehr unterschiedlich, beide haben sie gemein, dass ich gehofft hatte, unser Baby würde sich auf den Weg machen, denn morgen beginnen die 20er und so langsam werd ich unruhig. Gestern kam mittags nach dem Markteinkauf und Spätstück meine Schwägerin und wollte eine Tour mit dem Hund drehen, ich blieb zu Hause räumte den Tisch ab und wartete auf deren Rückkehr, zeitgleich kam dann meine Schwiegermama, die die beiden Kleinen mitnehmen wollte. Zelda fragt momentan mehr Fragen als je zuvor, meist ohne die Antwort abzuwarten, Anton ist sehr aufgeregt, Lilou macht viel Schmarn und braucht unsere volle Aufmerksamkeit, meistens tagsüber die von Nils, weil er mobiler ist als ich. Fakt ist, wir gehen beide ganz schön am Stock nach den letzten Monaten 24/7 mit den Kids allein bis auf eben die kleinen Ausnahmen, wenn zwei oder drei Kinder lieber Weise von der Oma entführt wurden. Daher Paarzeit Fehlanzeige, auch unsere Spaziergänge finden seit Wochen nicht statt, weil Lilou aus dem Wagen aussteigt, zum Spielplatz abbiegt oder schlicht nicht mehr schläft. Das letzte Mal waren der Mann und ich in den Feldern allein unterwegs, als Lilou schlief und Zoe sich bereit erklärt hatte, auf alle aufzupassen, das ist bereits wieder Wochen her, wir kommen kaum zu wichtigen Gesprächen, vieles bleibt ungesagt- weil nachts noch Teenager um uns herum schlawenzeln und wir dazu eben keine Pausen mehr haben, um mal Luft zu holen plus Dauerbeschallung nebenher. Energiequelle wo bist du?! Immerhin startet morgen die letzte Schulwoche, die letzten Mails trudeln ein, es ist bald geschafft! In Summe nicht die allerbesten Voraussetzungen um entspannt ein weiteres Kind zu empfangen, aber wir sind stets bemüht 😅 und manchmal hat man ja Glück und oder ergreift seine Gelegenheiten. So wie gestern Abend, als ich -nach einem Einkaufsspaziergang mit meiner Großen und einem Film- abends mit dem Mann und Lilou im Wagen eine Runde drehen konnte, die wir mühsam bis dahin wach gehalten hatten, wegen dieser Sache mit dem Mittagsschlaf und dem unterbrochenen Nachtschlaf, lange waren wir gemeinsam unterwegs, konnten mal in Ruhe reden, Lilou schlief nach der ersten halben Stunde ⬇

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Ein Kind bekommen bedeutet immer, sich auf Veränderung einzulassen und mit dem Unerwarteten zu „rechnen“. Dass dieses Kind in einer so seltsamen Zeit kommen würde, hatte definitiv niemand erwartet.

Nach der Kündigung in Probezeit nach der Elternzeit im September, dem Unfalltod meines Vaters im Oktober, dem unerwarteten Tod meiner Schwiegermutter im Februar und dem Fettfleck der Geschichte namens Corona, war ich grob auf alles vorbereitet gedanklich.

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Also wenn ich irgendwann mal erwähnte, ich bin durch, dann bin ich heute durcher. Ich bin wirklich fix und fertig und ja vielleicht wäre ich ausgeschlafener gar nicht so durch und oder optimistischer. Ich dachte ja morgens, „Komm steh einfach auf, chill dich bis Nils zurück ist und vielleicht legst dich dann nochmal hin!“ Stattdessen wischte ich eben unter starken Schmerzen auf allen Vieren den Boden im Keller und wrang immer wieder Handtücher aus, nein nicht immer ein Frisches, aber es war eine grosse Portion Wasser und es brauchte mehr Handtücher für alle drei Zimmer und danach konnt ich kaum laufen vor Autsch. Als Mann dann kam, war er nicht etwa die erhoffte Hilfe, sondern versuchte lange und zunehmend verzweifelt diese Pumpe, die wir hier nunmal einfach zum Wäsche waschen brauchen wieder zum Laufen zu bringen. Vergeblich. Während ich also auf dem Boden kroch und mit einem Schöpfer immer 10L Eimer füllte, bis die erste Maschine, die alles verursacht hatte endlich durch gelaufen war, versuchte der Mann nach Recherche, ob wir das Problem nicht selbst schneller beheben könnten, den Vermieter zu erreichen. Dieser antwortete sogar super fix und da kommt morgen auch jemand, aber es ist nicht das erste Mal, das das passiert ist in den Jahren, die wir hier wohnen. Soll heissen, meine Sorge ist und bleibt, dass im Worstcase morgen nicht alles wieder gut ist, sondern wir warten müssen bis alles geliefert wurde. Was das für mich als Frau bedeutet, die zu Hause entbinden möchte, in Kürze also auch noch Wöchnerin ist und ein kleines Baby plus neun andere Menschen mit frischer Wäsche versorgen muss, brauche ich nicht wirklich zu erklären oder!? Ich bin fix und fertig, hab später eine zweite Maschine angemacht mit den klatschnassen, stinkenden Handtüchern und wieder abwechselnd mit Mann und großem Sohn geschöpft, der sich erbarmte sich neben die Maschine zu setzen und zu rufen, wenn das Wasser abgepumpt wird und einfach fliesst und fliesst… Ich war heut ein wandelndes Nervenbündel, nicht immer fair und vorallem einfach brutal niedergeschlagen, heute sollte ein besonderer Tag sein, der errechnete Termin unseres Sohnes, ich wollte in Worte fassen wir viel mir das… ⬇

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Über das erneute Ausfallen der Abflusspumpe der Waschmaschine am errechneten Termin, genau wenn ich dass eine Mal seit Monaten in München bin, brauchen wir am Besten nicht reden. Es reiht sich einfach ein.

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Seit langem mal wieder ein Business Termin

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Aber zurück zur Geburt. Jeden Abend bin ich die letzten Wochen ins Bett und dachte „Na, mal gucken ob ich das Buch noch zu Ende lesen kann, bevor Henry kommt“. Jeden Tag hab ich ein bisschen an irgendeinem Projekt geschraubt und gesagt „Na, ob ich damit noch weiterkomme“

Und er kam einfach nicht. Tsk Tsk

Und irgendwann wird man dann ja auch ein bisschen undgeduldig, so als würde sich alles ändern und das Gras wäre plötzlich grüner und alles wäre gut und toll.

Freitag auf Samstag wären vier Kinder weggewesen, perfekt also für eine Geburt – da kam natürlich Henry nicht.

Samstag auf Sonntag, war dann nur ein Kind nicht da, noch dazu ein Höhlenteenager, auch kein Henry zu sehen.

Tja am Sonntag jedenfalls, kam nach längerer Hitze-welle (*scnr*) die Abkühlung in Form von Dauerregen. Der negative Part am Regen – alle Kinder wieder im Haus ohne Möglichkeit sie zu lüften und vielleicht mal mit Lilou auf den Spielplatz zu gehen.

Die eine kurze Pause nutzen Lilou und ich um uns den Garten von der Rückseite anzusehen und unseren Blauregen zu bewundern.

Inzwischen hatten wir auch echt alles vorrätig und parat. Das Schlafzimmer mehrmals gewischt und gesaugt („Hey, wenn ich dass mache, dann ist ja alles fertig und er kann kommen.“, „Wenn die Schmusedecke endlich ankommt, dann kann er kommen“, etc, usw)

Montag früh dann aber …

Erste Anzeichen einer Geburt? Man weiß es nicht.

Na ok, ich schon – weil ich meine Frau ja doch bei einigen Geburten begleitet habe, hab ich gerade mal 1.5 Stunden später der Hebamme schon mal einen Wink gegeben und rief sie um 10:30 Uhr an, ob sie sich vielleicht auf den Weg machen würde.

In der Zwischenzeit veratmete Jeanine einige sehr schmerzhafte Wehen.

Die Kinder hatten gefrühstückt in der Zeit und schauten einen Film im Wohnzimmer. Selbst Lilou war für ihre Verhältnisse handzahm und ich hab Zoe Bescheid gegeben dass die Kleinen jetzt mal einen Moment bitte nicht zu uns ins Schlafzimmer kommen mögen. Noah schlief noch, wie so ein Teenager und hat von der Geburt nix mitbekommen.

Zwischendrin hab ich eben die Malerfolie unters Laken fabriziert, eine Geburt sind Blut, Schweiß und Körperflüssigkeiten, believe me (nehmt alte Laken!)

Kurze Zeit später war die Hebamme bei uns und Jeanine auf dem Bett und selbst bis hier hin war die Fruchtblase noch nicht auf.

Zwei, drei kräftige Wellen später hab ich endlich erfahren wieso man es auch Blasensprung nennt. Sagen wir so, ich bin froh dass ich den Vorhang vom Bett hoch gehängt habe und um die Malerfolie und das alte Laken.

Noch eine Wehe, es war rund um 11:45 Uhr und zack, das Köpfchen und zack war Henry da. High Noon!

Während Henry auf Mamas Brust rumlag und alle so langsam runterkommen konnten, wurde die Plazenta geboren und ich hab mich mit der Hebamme um die Laken und 101 anderer Kleinigkeiten gekümmert, die man so bei einer Geburt machen muss.

Dann hab ich Henry auf die Brust bekommen und die Plazenta in einer Schüssel auf die Knie, damit Isabell, unsere Hebamme, sich um Jeanine kümmern konnte. Kurz darauf durfte ich die auspulsierte Nabelschnur durchschneiden, Nabelschnur Nummer 9 dann jetzt ganz offiziell :)

Inzwischen hatte auch Lilou Ihren Weg zu uns ins Zimmer gefunden und bestaunte Ihren neuen Bruder.

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So der kleine Mensch ist 24Stunden alt (als ich begann zu schreiben, mittlerweile sind es schon 72), die erste Nacht geschafft (die Zweite war besser, die Dritte die Schlimmste bisher), Lilou & Henry waren lange wach und der Kleinere von Beiden hat permanent an mir genuckelt, ich glaub er sucht da was (mittlerweile da)… 😅 Und gepupst wie ein Weltmeister hat er, nebenher hat mein Körper ordentlich Rückbildung betrieben. Die größte emotionale Herausforderung sind wieder die eigenen Emotionen & die der Geschwisterkinder- allen voran Lilou, die das alles zum ersten Mal erlebt & die anderen Kleinen, die staunend fasziniert streicheln wollen, dazwischen Pausen zu finden ist gar nicht so einfach, aber so leicht geht mir das „Nein“ dann doch nicht über die Lippen, diese Zeit & dieser Zauber kommen nicht wieder und die Kleinen brauchen vor allem Anfassen, sich Zeit nehmen, das Ihnen zeigen, um wieder zu verstehen, dass alles ist wie vorher, wir sie genau so lieb haben und dennoch einer mehr da ist. 💛 Auch die Großen suchen unsere Nähe, alle wackeln im Familiengefüge & suchen wieder ihren Platz, aber nebenher ist da so viel mehr Freude und Glück als sonst. Es ist wie so oft, die die vorher schon an der bevorstehenden Veränderung zu knabbern hatten & denen man das am meisten anmerkte, sind jetzt am Entspanntesten und die, die sich haben gar nichts anmerken lassen, wackeln jetzt am Meisten. So wie eben Lilou. Keine Worte können diese riesigen Augen beschreiben, die sie hatte, als da der Papa ein Baby im Arm hielt Montag Mittag. Sie drückte Henry an sich, wollte ihn immerzu haben & staunte & sprudelte- nachts holte sie ihre Aufregung wieder ein, bei jedem neuen Henry- Geräusch schreckte sie hoch, streichelte noch etwas unbeholfen den kleinen Menschen wieder wach. Auch in der letzten Nacht. Die Großen suchen auch unsere Nähe, kommen hoch ins Schlafzimmer, möchten erzählen & teilhaben, auch wenn ich manchmal ganz schön müde bin & dann keine Nische oder einen Rückzug finde, versuche ich all das zuzulassen & mir auch diese Zeit zu nehmen, denn auch die ist genauso wichtig, die Großen brauchen uns, Noah hilft viel, Ben & Zoe sind wahnsinnig einfühlsam ⬇️

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Ich organisierte ein Glas Sekt für uns Große und die Kinder machten Stück für Stück Ihre Aufwartung bei Mama und Henry.

Zwischendrin hab ich dann Mittagessen aufgewärmt, Verwandte informiert und den Haushalt ein bisschen am Laufen gehalten. Irgendwie war aber, wie so oft, die Transition von einer 8-Kind Familie hin zu Eltern eines weiteren Neugeborenen, kein großer, aber ein markanter Schritt. Eine Hausgeburt eben. Und ich würde es übrigens wieder tun, also wenn wir uns entschliessen die 10 noch „voll“ zu machen.

Btw, Wer uns gern eine Freude machen möchte, aber nicht weiß wie und es unkompliziert mag, wir haben noch ein paar Geschenkideen für uns oder die Mäuse und sammeln dafür hier etwas Geld

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