Online Diät?

Aus dem Email Entwürfe Ordner Januar 2010

Die Zeiten haben sich seitdem stark geändert – Offline bin ich noch immer nicht lange am Stück

Ich bin ein Onliner
Immer wieder lese ich erstaunt von Internetdiäten, von Offlinezeit, von bewusstem Abschalten. Ich finde das hochgradig irritierend und wie eine Bekannte letztlich auf dem Bloggertreffen, einem Treffen von lauter Onlinepublizisten im „RealLife“ meinte:

„Ich kann natürlich jederzeit abschalten, nur warum sollte ich?“

Irgendjemand beim Bloggertreffen 2010

Ich finde sie hat Recht.

Wenn ich Studien und Umfragen ausfülle muss ich immer wieder herzlich lachen. Denn die Zeiten die dort für „wie lange sind Sie am Tag Online“ sind oft nicht ansatzweise ausreichend. Immerhin hat man schon gewechselt, ich erinnere mich gut an die Zeit in denen noch nach Onlinezeit/Woche gefragt wurde.

As a matter of fact, ich bin eigentlich permanent on. Das heißt a) mein Router hängt 24 Stunden am Tag im Netz und b) ich habe praktisch 24/7 ein internetfähiges Device in Griffweite.

Das heißt nicht das ich alle 5 Minuten meine Emais, Replies und Waves prüfe, das tut das System von alleine (alles auf Push gestellt, iPhone sei Dank), das heißt auch nicht das ich das Handy nachts nicht ausschalte. Aber um mal den Vergleich von Textkommunikation zu Sprachkommunikation herzustellen, es passiert durchaus das unser Telefon auf lautlos geschaltet ist und wir es nicht bemerken. Wenn hingegen der Internetzugang ausfällt dauert es meistens keine 15 Minuten bis einer schreit.

Immer on heißt auch nicht das ich nicht, wie gestern Abend zum Beispiel, den Rechner mal zu lasse um mit meiner Frau in Ruhe eine Serie zu schauen. Aber dann kommt einem halt doch mal ein Gedanke oder der andere geht kurz zur Toilette und dann schaut man halt schnell mal ob Mails gekommen sind und wie es auf der #ggjmuc ausschaut. Zum Beispiel.

Die #ggjmuc ist ein hervorragendes Beispiel dafür warum ich denke das man Online nicht verteufeln sollte, wie ich es ganz oft immer noch von der Generation über mir erlebe. Ich war am Freitag Abend vor Ort, habe Fotos geschossen, Videos gemacht, die Stimmung eingefangen und der Orga ein
bisschen unter die Arme gegriffen, aber danke Twitter und Jabber war ich, obwohl ich den Rest des Wochenendes daheim verbrachte, immer dabei.

Anderes Beispiel: Die Menge an Social Events, TechTalks und anderem. Menschen die ich nur über das Netz kenne, aus Projekten oder aus Blogs treffen sich inzwischen im MONATSZYKLUS in verschiedenen Orten überall in Deutschland um ihre Erfahrungen auszutauschen. Ein Gewinn für
die Reiseindustrie und sehr sehr „Reallife“, wenn ihr mich fragt. Wenn ich alleine die Abende in den letzten zwei Wochen zähle an denen ich unter Menschen war, unvorstellbar das ohne Online zu sein zu organisieren geschweige denn herauszufinden was läuft.

In diesem Moment in dem ich schreibe sind in meinen Jabberkontakten 10 Leute Online, 20 Leute sind auf abwesend gesetzt. Einige davon habe ich noch nie gesehen, habe aber bereits mit Ihnen gesprochen oder telefoniert. Bei einigen weiß ich das ich spätestens Ende der Woche mal nachfragen werde wie es Ihnen geht. Wo sonst sind mir mein Bekannten und Freunde so nahe, nur einen Klick und ein paar Tastendrücke entfernt. Gegen Abend wird aber meine Liste nicht leerer sondern eher voller, denn meine Kontakte in Übersee werden wach und gehen von Away auf Verfügbar.

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