Schulgeschichten…

Hallo Menschlinge und Hundefreunde,

also ich kann euch sagen, heute war ein ganz schön anstrengender Tag. Die Menschin und ich waren heute wieder in der Hundeschule. Und das obwohl es plötzlich Sommer geworden ist und ich in meinem Winterfell ganz schön schwitze.

Zuerst durfte ich mit Elfie spielen. Elfie ist ein Dackel und noch nicht mal ein Jahr alt. Die ist total winzig. Aber Power hat sie trotzdem. Wir sind also rumgefetzt und Elfie hat sich immer wieder auf die Hinterpfoten gestellt und mir im Gesicht rumgeknabbert. Aber dann habe ich auf dem Parkplatz meinen Shep gehört. Da bin ich ganz aufgeregt geworden und habe am Zaun getanzt. Shep ist dann auch zu uns zum Spielen gekommen. Erst war er ein bisschen zu wild mit Elfie. Aber dann hat er gemerkt, dass das so nicht geht, weil die Kleine dann umfällt. Und dann haben wir zu dritt gespielt. Elfie fand den Shep ganz toll und ist immer neben ihm hergehoppelt.

Aber irgendwann war die Spielzeit vorbei und wir mussten in den Unterricht. Am Platz bleiben, während die Menschin die anderen Teilnehmer begrüßt habe ich wie immer problemlos gemeistert. Schließlich waren ja Sheppi und seine Laura neben mir. Aber später sollte ich dann zwischen so Holzzäunen bleiben und die Menschin ist ohne mich weiter gegangen. Ich habe kurz gewartet, aber dann ist es mir zu blöd geworden und ich bin wieder zum Shep gelaufen. Die Leine habe ich einfach hinter mir hergezogen. Die Menschin hat mich dann wieder eingesammelt und ist mit mir eine Runde um den Platz gegangen. Dann haben wir es nochmal probiert und sie ist nicht so weit gegangen. Da habe ich dann doch auf sie gewartet. Habe ja gemerkt, dass ihr das irgendwie wichtig war.

Ein bisschen später haben wir diese Übung gemacht, bei der die Menschen einen ableinen, ein Stück gehen und einen dann rufen. Die Menschin und ich haben es neben den Hindernissen probiert. Eigentlich schaffe ich es inzwischen kurz zu warten und dann zwei Meter zur Menschin zu laufen, damit sie mich wieder anleinen kann. Aber als sie heute die Leine abgemacht hat, bin ich wieder so unsicher geworden und da bin ich weggelaufen und habe mich hinten am Zaun versteckt. Aber die Menschin war gar nicht böse. Sie hat nur die Schultern gezuckt und gesagt, dass ich auf sie warten soll, weil sie mich abholt. Dann ist sie ganz entspannt zu mir gekommen, hat mich angeleint und mich wieder zu unserem Platz gebracht.

Am Schluss mussten wir noch alle mit unseren Menschen an der Hundetrainerin vorbeilaufen, die auf dem Boden gekniet und uns ein Leckerchen angeboten hat. Aber ich bin ja nicht doof. Das darf man nämlich gar nicht nehmen. Ich wollte es aber auch gar nicht haben. Ich nehme nämlich nix von anderen Leuten als der Menschin und dem Menschenmann und Laura und Carsten und unseren Arbeitskollegen. Naja, vielleicht wenn sie mir einen Döner angeboten hätte, oder Pizza. Aber ich riskiere meinen Hals doch nicht für ein Leckerchen. Ausserdem habe ich es am Ende sowieso bekommen. Aber halt von der Menschin.

Nach der Stunde saßen die Menschin und Laura noch ewig zusammen und haben gequatscht und Kaffee getrunken… naja, haben Sheppi und ich halt ein Nickerchen gemacht und zwischendurch die anderen Hunde beobachtet.

Auf jeden Fall glaube ich, dass ich ganz schön Fortschritte mache, auch wenn es manchmal nicht so gut klappt. Die Menschin sagt auf jeden Fall, dass es so ist.

Liebe Grüße,

eure Tiffi

Das Knabberkissen…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi hat da diese sehr unangenehme Angewohnheit. Wenn sie unsicher oder nervös ist, dann kaut sie gerne an Sachen herum. Meistens tut sie das dann, wenn sie längere Zeit (mehr als drei Stunden) alleine ist.

Zuhause fielen diesem Verhalten meine Hausschuhe und die Hausschuhe des Mannes zum Opfer. Auch Tiffis Lieblingskuscheldecke hat einige Löcher. In ihrer Pflegestelle hat sie mal eine komplette Couch bis zu den Federn zerlegt.

Allerdings habe ich festgestellt, dass sich diese Sache einfach lösen lässt, indem ich ihr einen Ochsenfiesel oder eine andere harte Knabberei dalasse, wenn ich gehe. Normalerweise hat sie für solche Leckereien nicht viel übrig. Wenn sie aber nervös wird, dann überträgt sie ihren ganzen Stress auf den Kauartikel und entspannt sich so, bis ich wieder da bin. Auch in der Arbeit hat sie immer einen Kauartikel in ihrem Bett liegen, damit sie den Frust verarbeiten kann, wenn ich bei Gericht oder auf Hausbesuch bin.

So könnte also alles ganz Problemlos sein. Wäre da nicht diese eine Sache. Wenn Tiffi mit ihrem Kumpel Shep zusammen alleine bleibt, weil wir zusammen auf einer Veranstaltung sind und die beiden sich Gesellschaft leisten sollen, kann ich ihr keinen Kauartikel dalassen. Shep frisst die nämlich für sein Leben gern und würde ihn innerhalb der ersten paar Minuten einfach auffuttern. Oder die beiden würden sich darum streiten, was wir natürlich auch nicht wollen. Deshalb passiert es regelmäßig, dass Lauras und Carstens Fleecedecken oder Sheps heiß geliebte Stofftiere neue Löcher haben, wenn wir wieder zurück kommen. Im Normalfall nur sehr kleine Löcher, aber doof ist das natürlich trotzdem.

Also habe ich lange über eine Lösung nachgedacht. Mir ist dabei aufgefallen, dass Tiffi üblicherweise meine oder ihre eigenen Sachen ankaut. Nur, wenn sie nichts davon finden kann, nimmt sie das was eben da ist. Ich habe also die Vermutung, dass Dinge, die einen vertrauten Geruch haben, besser beruhigen als andere.

Also sortierte ich ein altes Schlafshirt von mir aus dem Schrank aus und brachte es meiner Mutter, die mir daraus ein Kissen nähte. Hätte ich es selber genäht, hätte Tiffi nämlich keine Löcher reinmachen müssen, dann hätte es von Anfang an genug gehabt.

Ich schlief dann selber auf dem Kissen, um den Geruch zu verstärken. Inzwischen liegt es in Tiffis Hundebett und sie benutzt es selber als Kopfkissen. Zu den nächsten Besuchen bei Shep und auch in anderen fremden Umgebungen wird es uns auf jeden Fall begleiten und ich bin schon sehr gespannt ob es als Fokus für Tiffis Frustmomente dienen wird oder weiterhin nur als ihr Kuschelkissen.

Viele Grüße,

Karen

Verunsicherungen…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

am Freitag fuhren wir mit vier Autos und zwei Hängern auf den Mittelaltermarkt. Nach der Ankunft gingen Laura und ich zur Veranstaltungsleitung um uns unseren Platz zuweisen zu lassen. Die anderen warteten mit den Hunden am Auto. Tiffi und Shep saßen auf der Hundedecke auf meiner Rückbank. Shep war wohl sehr aufgeregt. Carsten versuchte ihn zu beruhigen. Tiffi wurde das irgendwie zu eng und sie versuchte auszusteigen. Allerdings war sie noch angeschnallt und blieb deswegen mit der Hinterpfote am Türrahmen hängen. Als wir zurückkamen und mit den beiden eine kleine Pieselrunde drehten, sah ich etwas Blut an ihrem Hinterbein. Da sie aber nicht humpelte, ging ich davon aus, dass sie sich die Kralle wieder aufgerissen hatte. Erst als ich etwas später genauer nachsah, stellte ich fest, dass die Kralle, neben der, die sie sich vor zwei Wochen abgebrochen hat auch zu einem großen Teil fehlte. Sie hatte sie beim Sprung aus dem Auto wohl abgerissen.

So verbrachte ich den Markt mit einem etwas mulmigen Gefühl. Ich desinfizierte die Wunde und machte einen Verband. Dieser wurde allerdings schnell feucht. Also trug ich regelmäßig Silberspray auf und verpackte die Pfote zum Schutz in ihrem Pfotenschuh. Man glaubt ja gar nicht, wie so ein Hundefuß zu stinken anfängt, wenn der Schweiß nicht abtransportiert wird. Am Sonntag telefonierte ich mit einem Tierarzt, der mir riet sie weiter zu beobachten. Am Montag kam ein ehemaliges Gruppenmitglied mit seiner Frau vorbei, die Tierärztin ist. Sie warf einen Blick auf die Kralle und beruhigte mich. Alles nicht so schlimm. Nachdem wir Montag auf Dienstag bis 4 Uhr morgens mit Abbau, Transport und Entladen beschäftigt waren, hiefte ich mich am Dienstag trotzdem um 10 Uhr aus dem Bett und fuhr zu meinem Tierarzt. Auch er teilte mit, dass die Wunde gut verheilte und zeigte sich erstaunt, dass ich es unter Marktbedingungen geschafft hatte eine Entzündung zu vermeiden.

Zum einen war ich stolz, weil ich Tiffi trotz allem gut verarztet hatte und weil ich ein gutes Gefühl für den Zustand meines Tieres habe. Zum anderen verunsicherte mich, dass ich mir selbst nicht genug vertraue. Eigentlich habe ich immer ein gutes Feeling für meine Tiere. Ich weiß, was ich selber machen kann und wo ich Hilfe brauche. Ich kann gut einschätzen ob ein Tierarzt nötig ist oder ob ich etwas selber behandeln kann. Aber zugleich habe ich Angst einen unverzeihlichen Fehler zu machen. Was wäre, wenn ich eine dramatische Verletzung zu harmlos einschätze und Tiffi deshalb einen Fuß verliert? Was ist, wenn ich nicht rechtzeitig reagiere und es sie das Leben kostet?

Mit Balu bin ich diesen Grenzgang jahrelang gegangen. Durch seine schwere Krankheit war ich immer wieder gezwungen Entscheidungen zu treffen. Behandlungen anzunehmen oder abzulehnen. Untersuchungen zuzulassen oder zu verweigern. Zu entscheiden wann ich zum Tierarzt muss. Abzuwägen, was Unwohlsein durch die Grunderkrankung und was eine eigene Erkrankung sein könnte.

Doch trotz alle dem hat es seinen Schrecken nicht ganz verloren. Ich habe die Verantwortung für ein anderes Leben übernommen. Tiffi und Phoebe vertrauen mir. Sie können nicht für sich selbst entscheiden. Wenn ich sie falsch ernähre, müssen sie es ausbaden, obwohl sie keine Wahl haben als zu essen, was ich ihnen gebe. Wenn ich eine Krankheit nicht rechtzeitig erkenne, dann müssen sie leiden. Wenn ich im Sommer die Hitze des Bodens unterschätze, dann muss Tiffi mit verbrannten Füßen herumlaufen. Und so weiter…

Erscheint euch diese Verantwortung auch manchmal so riesig? Oder geht das nur mir so?