Die andere Seite…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

1,5 Jahre lang war für Tiffi und mich jede Begegnung mit einem nicht angeleinten Hund ein Stressfaktor und potentiell erstmal bedrohlich. Tiffi war an der Leine ängstlich und unsicher und wurde deshalb oft von anderen Hunden angegangen. Auch freundliche Kontaktaufnahme war ihr unangenehm und sie versuchte der Situation zu entgehen, was natürlich durch die Leine nicht so richtig möglich war.

Dies sorgte dafür, dass ich zum Einen vielen Hundehaltern zurief, dass sie ihren Hund anleinen sollten, auch wenn dieser dann effektiv ohne Leine ganz brav an uns vorbeilief und uns gar nicht belästigte. Ich konnte das ja nicht wissen, wenn die auf uns zukamen. Zum anderen legte ich mir ein sehr bestimmtes und leicht aggressives Auftreten gegenüber frei laufenden Rüpel-Hunden und deren Haltern zu, um Tiffi zu schützen.

Nun läuft Tiffi seit Oktober ja selber frei. Am Anfang nur in geringem Umfang und unter sehr geschützten Bedingungen. Inzwischen, weil ich sie und mich besser Einschätzen kann und sie zusätzlich durch einen GPS Empfänger am Geschirr gesichert ist, auf den meisten Touren.

Eispfütze auf den Elbwiesen in Dresden.

Ohne Leine ist Tiffi im Regelfall sehr gut selbst in der Lage mit anderen Hunden fertig zu werden, da sie durch ihre Zeit in Rumänien gut in Hundegruppen sozialisiert ist und sehr klar kommuniziert. Lediglich größere Gruppen oder sehr rüpelhafte Hunde machen ihr Angst. Wenn ich es rechtzeitig schaffe, nehme ich sie dann an die Leine und schütze sie mit meinem Körper, wenn ich zu langsam bin, versteckt sie sich im Wald oder in einem Gebüsch, bis die Gefahr vorüber ist.

Grundlegend ist Tiffi gegenüber anderen Hunden auch sehr höflich und achtet die Signale. Sie läuft erstmal in einigem Abstand vorbei und guckt ob grundlegendes Interesse zur Kontaktaufnahme besteht. Wenn das Interesse da ist, fordert sie gerne mal zum Spielen auf. Wenn kein Interesse da ist, läuft sie in einigem Abstand noch ein Stück hinterher und albert herum um zu verdeutlichen, dass sie wirklich gerne spielen würde. Wenn dann immer noch keine Reaktion kommt, dreht sie ab und läuft zu mir. Zeigt ein anderer Hund die Zähne oder knurrt, dreht sie sofort ab und gibt ihm den eingeforderten Raum.

Tiffi und Shep im Schnee

Hunde an der Leine ignoriert sie meistens und nimmt nur den Geruch kurz auf. Einzige Ausnahme ist, wenn der angeleinte Hund ihr deutlich zeigt, dass er gerne Kontakt aufnehmen würde. Dann läuft sie sofort fröhlich hin und es ist nur mit imenser Strenge meinerseits möglich sie zu stoppen. Tiffi begreift ja nicht, dass die Besitzer manchmal keinen Kontakt wünschen, auch wenn der Hund das anders sieht.

Und so wurde mir neulich klar, dass Tiffi und ich nun quasi die Seiten gewechselt haben. Wir sind nun die potentielle Bedrohung für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer keinen Kontakt wünschen.

Tiffi und ich gingen unsere Morgenrunde durch die Nachbarschaft. Da ich mit einer Mittelohrentzündung Zuhause bin, etwas später als üblich. Eine Frau mit einer jungen Hündin an der Schleppleine überholte uns und redete dem Tier gut zu, doch brav an der Leine zu laufen, nicht so zu ziehen und uns in Frieden zu lassen. Tiffi zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch an der Leine ging gemächlich weiter. Als wir die Straße verließen, gab ich Tiffi wie üblich frei, was mir einen leicht panischen Blick von schräg vorne einhandelte, wo die Frau mit der Hündin lief. Klar. Hab ich nicht dran gedacht. Sie konnte ja nicht wissen, dass Tiffi ihrer Hündin nicht nachsetzen würde. Das konnte ich nur wissen, weil ich Tiffi sehr gut kenne und weiß, wie sie aussieht, wenn sie Interesse an einem anderen Hund hat. Tiffi torfte also in ihrer ganz eigenen Geschwindigkeit von „dreijähriges Kleinkind im Wald“ los um Grasbüschel, interessante Schneeflocken und Blätter zu untersuchen. Die Frau verschwand in der Ferne.

Tiffi muss alles ganz genau untersuchen

Tiffi und ich dackelten also weiter über die Fußgängerbrücke, die uns über die Bundesstraße führt. Da die Brücke höher gelegen ist, als das nachfolgende Gelände, kann man von dort aus gut die Geschehnisse auf der anderen Seite beobachten. Die Frau mit der Junghündin passierte unter viel gutem Zureden, strengen Laufansätzen und Leineneinsatz ein Paar mit Dackel, welches ungewöhnlich weit auswich. Das Paar mit Dackel kam auf die Brücke zu, sah mich, sah Tiffi, die hinter mir hergeschlurft kam und wechselte aprupt die Richtung, ehe ich auch nur die Chance hatte darüber nachzudenken Tiffi anzuleinen oder etwas zu sagen. Im Stechschritt flohen sie den Feldweg entlang. Leicht verwirrt sah ich Tiffi an, wir zuckten beide mit den Schultern und wanderten weiter.

Und da erkannte ich, dass wir jetzt eben auf der anderen Seite stehen. Das dieses schnelle Abdrehen vor einer Engstelle vielleicht auch wir selbst hätten sein können. Wobei ich immer versucht habe Tiffi klar zu machen, dass es für uns keinen Grund gibt wegzulaufen. Daher hätten wir wohl eher vorne am Weg, wo man gut ausweichen kann gewartet und wären über die Brücke gegangen, nachdem der andere Hund diese verlassen hat. Aber dieses Gefühl „Verdammt, ein anderer Hund ohne Leine!“ ist mir sehr gut bekannt und ich versuche so gut es geht, es anderen Hundebesitzern zu ersparen.


Viele Grüße,

Karen

2 Antworten auf „Die andere Seite…“

  1. Ihr Lieben,

    schön dargestellt – so kann sich die Seite ändern.
    Ich finde es toll, dass Tiffi und Du so gut zusammengewachsen seid.

    Mit meinem jetzigen Gespann bin ich auf der Seite der „Ausweichenden“. Das liegt hauptsächlich an Cara, die leider an der Leine sehr schwierig mit anderen Hunden ist. Und Freilauf ist für sie leider im Moment nicht möglich – ihren Jagdtrieb bekomme ich leider nicht wirklich in den Griff und bei uns tummeln sich die Kaninchen gefühlt alle 10 Meter.

    Aber ich bin immer sehr froh, wenn wir mal Hundehalter treffen, die sich (wie Du) bewusst sind, dass es oft hilft, wenn man dem anderen Ausweichmöglichkeiten gibt oder den Hund eben nicht einfach so hinlaufen lässt.

    Sehr schöner Beitrag.
    Liebe Grüße,

    Isabella mit Cara und Shadow

    1. Liebe Isabella,

      wir sind auch sehr froh, dass das so funktioniert.
      Es gibt immer Hunde, die aus verschiedenen Gründen Abstand brauchen und ich finde es immer schade, wenn andere Hundehalter das nicht respektieren. Wir könnten uns alle das Leben so viel leichter machen, wenn wir mehr Rücksicht aufeinander nehmen würden.

      Liebe Grüße,
      Karen und Tiffi

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