Das Knabberkissen…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi hat da diese sehr unangenehme Angewohnheit. Wenn sie unsicher oder nervös ist, dann kaut sie gerne an Sachen herum. Meistens tut sie das dann, wenn sie längere Zeit (mehr als drei Stunden) alleine ist.

Zuhause fielen diesem Verhalten meine Hausschuhe und die Hausschuhe des Mannes zum Opfer. Auch Tiffis Lieblingskuscheldecke hat einige Löcher. In ihrer Pflegestelle hat sie mal eine komplette Couch bis zu den Federn zerlegt.

Allerdings habe ich festgestellt, dass sich diese Sache einfach lösen lässt, indem ich ihr einen Ochsenfiesel oder eine andere harte Knabberei dalasse, wenn ich gehe. Normalerweise hat sie für solche Leckereien nicht viel übrig. Wenn sie aber nervös wird, dann überträgt sie ihren ganzen Stress auf den Kauartikel und entspannt sich so, bis ich wieder da bin. Auch in der Arbeit hat sie immer einen Kauartikel in ihrem Bett liegen, damit sie den Frust verarbeiten kann, wenn ich bei Gericht oder auf Hausbesuch bin.

So könnte also alles ganz Problemlos sein. Wäre da nicht diese eine Sache. Wenn Tiffi mit ihrem Kumpel Shep zusammen alleine bleibt, weil wir zusammen auf einer Veranstaltung sind und die beiden sich Gesellschaft leisten sollen, kann ich ihr keinen Kauartikel dalassen. Shep frisst die nämlich für sein Leben gern und würde ihn innerhalb der ersten paar Minuten einfach auffuttern. Oder die beiden würden sich darum streiten, was wir natürlich auch nicht wollen. Deshalb passiert es regelmäßig, dass Lauras und Carstens Fleecedecken oder Sheps heiß geliebte Stofftiere neue Löcher haben, wenn wir wieder zurück kommen. Im Normalfall nur sehr kleine Löcher, aber doof ist das natürlich trotzdem.

Also habe ich lange über eine Lösung nachgedacht. Mir ist dabei aufgefallen, dass Tiffi üblicherweise meine oder ihre eigenen Sachen ankaut. Nur, wenn sie nichts davon finden kann, nimmt sie das was eben da ist. Ich habe also die Vermutung, dass Dinge, die einen vertrauten Geruch haben, besser beruhigen als andere.

Also sortierte ich ein altes Schlafshirt von mir aus dem Schrank aus und brachte es meiner Mutter, die mir daraus ein Kissen nähte. Hätte ich es selber genäht, hätte Tiffi nämlich keine Löcher reinmachen müssen, dann hätte es von Anfang an genug gehabt.

Ich schlief dann selber auf dem Kissen, um den Geruch zu verstärken. Inzwischen liegt es in Tiffis Hundebett und sie benutzt es selber als Kopfkissen. Zu den nächsten Besuchen bei Shep und auch in anderen fremden Umgebungen wird es uns auf jeden Fall begleiten und ich bin schon sehr gespannt ob es als Fokus für Tiffis Frustmomente dienen wird oder weiterhin nur als ihr Kuschelkissen.

Viele Grüße,

Karen

Verunsicherungen…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

am Freitag fuhren wir mit vier Autos und zwei Hängern auf den Mittelaltermarkt. Nach der Ankunft gingen Laura und ich zur Veranstaltungsleitung um uns unseren Platz zuweisen zu lassen. Die anderen warteten mit den Hunden am Auto. Tiffi und Shep saßen auf der Hundedecke auf meiner Rückbank. Shep war wohl sehr aufgeregt. Carsten versuchte ihn zu beruhigen. Tiffi wurde das irgendwie zu eng und sie versuchte auszusteigen. Allerdings war sie noch angeschnallt und blieb deswegen mit der Hinterpfote am Türrahmen hängen. Als wir zurückkamen und mit den beiden eine kleine Pieselrunde drehten, sah ich etwas Blut an ihrem Hinterbein. Da sie aber nicht humpelte, ging ich davon aus, dass sie sich die Kralle wieder aufgerissen hatte. Erst als ich etwas später genauer nachsah, stellte ich fest, dass die Kralle, neben der, die sie sich vor zwei Wochen abgebrochen hat auch zu einem großen Teil fehlte. Sie hatte sie beim Sprung aus dem Auto wohl abgerissen.

So verbrachte ich den Markt mit einem etwas mulmigen Gefühl. Ich desinfizierte die Wunde und machte einen Verband. Dieser wurde allerdings schnell feucht. Also trug ich regelmäßig Silberspray auf und verpackte die Pfote zum Schutz in ihrem Pfotenschuh. Man glaubt ja gar nicht, wie so ein Hundefuß zu stinken anfängt, wenn der Schweiß nicht abtransportiert wird. Am Sonntag telefonierte ich mit einem Tierarzt, der mir riet sie weiter zu beobachten. Am Montag kam ein ehemaliges Gruppenmitglied mit seiner Frau vorbei, die Tierärztin ist. Sie warf einen Blick auf die Kralle und beruhigte mich. Alles nicht so schlimm. Nachdem wir Montag auf Dienstag bis 4 Uhr morgens mit Abbau, Transport und Entladen beschäftigt waren, hiefte ich mich am Dienstag trotzdem um 10 Uhr aus dem Bett und fuhr zu meinem Tierarzt. Auch er teilte mit, dass die Wunde gut verheilte und zeigte sich erstaunt, dass ich es unter Marktbedingungen geschafft hatte eine Entzündung zu vermeiden.

Zum einen war ich stolz, weil ich Tiffi trotz allem gut verarztet hatte und weil ich ein gutes Gefühl für den Zustand meines Tieres habe. Zum anderen verunsicherte mich, dass ich mir selbst nicht genug vertraue. Eigentlich habe ich immer ein gutes Feeling für meine Tiere. Ich weiß, was ich selber machen kann und wo ich Hilfe brauche. Ich kann gut einschätzen ob ein Tierarzt nötig ist oder ob ich etwas selber behandeln kann. Aber zugleich habe ich Angst einen unverzeihlichen Fehler zu machen. Was wäre, wenn ich eine dramatische Verletzung zu harmlos einschätze und Tiffi deshalb einen Fuß verliert? Was ist, wenn ich nicht rechtzeitig reagiere und es sie das Leben kostet?

Mit Balu bin ich diesen Grenzgang jahrelang gegangen. Durch seine schwere Krankheit war ich immer wieder gezwungen Entscheidungen zu treffen. Behandlungen anzunehmen oder abzulehnen. Untersuchungen zuzulassen oder zu verweigern. Zu entscheiden wann ich zum Tierarzt muss. Abzuwägen, was Unwohlsein durch die Grunderkrankung und was eine eigene Erkrankung sein könnte.

Doch trotz alle dem hat es seinen Schrecken nicht ganz verloren. Ich habe die Verantwortung für ein anderes Leben übernommen. Tiffi und Phoebe vertrauen mir. Sie können nicht für sich selbst entscheiden. Wenn ich sie falsch ernähre, müssen sie es ausbaden, obwohl sie keine Wahl haben als zu essen, was ich ihnen gebe. Wenn ich eine Krankheit nicht rechtzeitig erkenne, dann müssen sie leiden. Wenn ich im Sommer die Hitze des Bodens unterschätze, dann muss Tiffi mit verbrannten Füßen herumlaufen. Und so weiter…

Erscheint euch diese Verantwortung auch manchmal so riesig? Oder geht das nur mir so?

Vorbereitungen…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi und ich stecken tief in den Vorbereitungen. Morgen geht es für uns endlich wieder auf einen Mittelaltermarkt. Für Tiffi ist es der zweite Markt ihres Lebens. Bei mir waren es inzwischen schon ein paar mehr.

Und da wir ja nunmal noch nicht Sommer haben, gibt es da einiges zu bedenken. Erstmal natürlich mein eigenes Gepäck mit ausreichend warmen Sachen, die man unter die Mittealterkleidung anziehen kann, mit genug Fellen für das Bett und Schlafmützen, Stricksocken und solchen Sachen.

Aber auch Tiffi soll wieder ein schönes Markterlebnis haben. Also mussten natürlich in ihre Kiste (Tiffi hat ihre eigene Holzkiste für ihr Gepäck) erstmal genug Futterdosen. Ausserdem habe ich noch Hühnerbruststreifen für sie und Shep getrocknet. Schließlich brauchen brave Markthunde auch eine gute Belohnung. Auch zwei Tüten mit großen getrockneten Hühnerbrüsten und Kaustreifen wurden eingepackt. Die gibt es für Tiffi Abends immer als Betthupferl, während wir Menschen uns bettfertig machen. (Wenn man sich bei um die 0 Grad in einem Zelt bettfertig macht, ist das etwas aufwändiger und langwieriger als im warmen Bade- und Schlafzimmer zuhause… zumindest bei mir). Ausserdem wanderten das schwarze Panikgeschirr und die Lederleine in die Kiste.

Relativ lange habe ich mich wie üblich mit der Frage des Schlafplatzes beschäftigt. Letztes Jahr habe ich für Tiffi eine Memoryschaummatratze mit gummierter Unterseite und Teddyflecebezug gekauft. Die Matte ist prima, nur leider furchtbar unhandlich und schlecht zu verstauen. Also packte ich nur das Vetbed ein, dass ihr Sheppis Leute zu Weihnachten geschenkt haben. Sie liegt dann neben meinem Bett auf einem Schichtsystem aus einer Plane, einem Teppich, Sheps Vetbed (das so riesig ist, dass es den kompletten Platz zwischen Lauras und meinem Bett ausfüllt) und ihrem eigenen Vetbed (das etwas kleiner ist). Von unten ist sie also gut isoliert. Ausserdem habe ich ihr eine größere und wärmere Decke gekauft. Ich würde nämlich gerne dieses Mal auf das wundervolle Erlebnis verzichten, dass mir Jemand nachts um drei, eine circa 0 Grad kalte Nase in meine ungeschützte Halsbeuge schiebt um mir mitzuteilen, dass die Decke verrutsch ist und der Hund wieder richtig zugedeckt werden muss. Sollte Tiffi mit diesem Equipment immer noch zu kalt sein, dann hoffe ich darauf, dass Shep sich wie auf dem letzten Markt erbarmt und sich an sie kuschelt um sie zu wärmen. Der Finne ist für solche Temperaturen nämlich einfach besser angezogen.

Zum Hundegepäck gehört übrigens auch noch ein Erste-Hilfe-Set, eine extra Rolle selbsthaftender Verband und Tiffis kleiner Stoffhund „Knuddel“. Ausserdem verstecken sich ganz unten in der Kiste zwei Ostergeschenke für Tiffi und Shep.

Was gehört denn so in euer Reisegepäck für den Hund?

Liebe Grüße,

Karen

Pech gehabt…

Hallo Menschlinge und Hundefreunde,

im Moment habe ich ganz schön viel Pech. Vor zwei Wochen hatte ich eine schlimme Augenentzündung. Das hat ganz furchtbar gejuckt und mein Auge war ständig verklebt und ausserdem durfte ich eine ganze Woche lang nicht in die Nähe von anderen Hunden. Das war echt blöd. Ach und die Menschin hat mir dreimal am Tag so ein Zeig ins Auge geschmiert. Ganz schön unangenehm, kann ich euch sagen.

Und kaum hatte ich das durchgestanden, da passiert mir wieder ein Unglück. Am Mittwoch, als ich mit Shep gespielt habe, habe ich mir nämlich eine Kralle abgebrochen. Das hat ganz schön weh getan und furchtbar geblutet. Die Menschin hat sich ganz schön erschreckt. Sie wusste nämlich nicht wo das ganze Blut im Schnee plötzlich herkam. Erst nachdem sie Shep und mich gründlich untersucht hat, hat sie gesehen, dass es von meiner Hinterpfote lief. Ich hab nämlich lieber nix gesagt. Ich wusste ja nicht genau ob ich vielleicht Ärger bekomme.

Hätte ich mal besser drauf geachtet, dass die Menschin das Blut nicht sieht. Wir sind nämlich dann zu, Tierarzt gefahren und das war gar nicht schön. Ich musste wieder auf diesen blöden Tisch und dann hat der Tierarzt meine Pfote genommen. Aber ich mag es gar nicht, wenn Jemand meine Pfoten anfasst. Ich habe also versucht mich zu befreien. Die Menschin hat mich aber ganz fest in den Arm genommen und mich festgehalten und die Tierarzthelferin hat mein Bein umklammert und deshalb konnte ich mich gar nicht mehr rühren. Der Tierarzt hat mir eine Medizin auf meine Kralle getupft und dann habe ich einen dicken Verband bekommen. Mit dem Verband konnte ich gar nicht richtig gehen und die Menschin hat über mich gelacht, weil ich so ganz große Schritte gemacht habe, als wir zum Auto gegangen sind.

Also ihr seht, ich bin ein ganz schön armer Hund…

Aber eigentlich, wenn ich ganz ehrlich bin, geht es mir doch ganz schön gut. Früher, als ich noch auf der Straße gelebt habe, da haben sich solche Wunden immer entzündet und dann ganz schlimm weh getan. Damals gab es niemanden, der sich um mich gekümmert hat und ich hatte immer Angst, dass ich so schwer verletzt werde oder durch eine Krankheit nicht mehr in der Lage wäre, mir etwas zu Essen zu organisieren, oder das mich ein anderes Tier oder ein böser Mensch angreift, wenn ich schwach und wehrlos bin. Nun habe ich die Menschin und die passt auf mich auf. Und weil ich ihr zeigen will, dass ich ihr Dankbar bin und weil ich es ja eh nicht ändern kann, gebe ich ihr auch immer brav meinen Hinterfuß, damit sie den Hundeschuh über den Verband ziehen kann, wenn wir raus gehen. Der Verband darf nämlich nicht nass werden, sagt die Menschin und wenn sie das sagt, dann wird es wohl stimmen. Die Menschin ist nämlich klug. So klug, dass sie mir heute sogar extra eine Portion selbstgekochtes Gulasch aufgetaut hat, weil ich mein Frühstück nicht essen wollte. Das finde ich ziemlich klug von ihr. Da habe ich nämlich meinen Napf ratzeputz leer gefressen und kluge Menschen wollen schließlich nicht, dass arme Straßenhunde verhungern.

Liebe Grüße,

eure Tiffi

In aller Freundschaft…

Hallo Menschlinge und Hundefreunde,

ich habe euch ja mal erzählt, dass Phoebe am Anfang nicht sehr begeistert von meinem Einzug war. Die ersten Wochen hat sie sich jedes mal übergeben, wenn sie mich gesehen hat. Sie fand mich im wahrsten Sinne des Wortes zum kotzen.

Balu hat sich damals alle Mühe gegeben, sie immer wieder aus ihrem Versteck geholt und sich mit ihr auf die Treppe gesetzt, damit sie mich in Ruhe angucken kann.

Nach und nach hat Phoebe sich immer näher an mich heran getraut. Wenn ich mich bewegt habe, hat sie aber sofort gefaucht und ist weggelaufen.

Dann irgendwann hat sie gemerkt, dass ich mehr Angst vor ihr habe, als sie vor mir. Also hat sie angefangen mich zu ärgern. Sie hat sich immer wieder extra auf die Treppe oder in den Türdurchgang gesetzt und wenn ich vorbei wollte, hat sie mir mit ihrer Pfote auf die Nase gehauen und mich angefaucht. Bald habe ich mich gar nicht mehr getraut an ihr vorbei zu gehen und wenn sie mir den Weg versperrt hat, habe ich so lange gejammert und gefiept, bis die Menschin kam und Phoebe aus dem Weg getragen hat.

Aber dann kam der Tag an dem die Menschin mit Balu das Haus verlassen hat und ohne ihn nach Hause kam. Sie und der Menschenmann waren sehr traurig und seit diesem Tag haben wir Balu nicht mehr gesehen.

Und plötzlich hörte Phoebe auf nach mir zu schlagen. Sie hat mich seit diesem Tag nie wieder angefaucht. Ganz im Gegenteil. Sie will immer in meiner Nähe sein, wenn ich Zuhause bin. Wenn ich in den Garten gehe, folgt sie mir und wenn ich auf meiner Hundecouch im Wohnzimmer liege, liegt sie auf der Menschencouch an der Kante. Wenn ich vor der Terrassentür in der Sonne liege, dann liegt Phoebe auch in der Sonne, ganz dicht neben mir.

Wenn ich mit der Menschin kuschle, dann kuschelt Phoebe auch mit. Sie reibt sich dann auch an meiner Brust, meinem Bauch und meinen Beinen. Am Anfang war ich ein bisschen misstrauisch, weil ich dachte, dass sie gleich wieder auf mich los geht. Aber intwischen habe ich kapiert, dass wir jetzt wohl Freunde sind. Deshalb stecke ich ihr ab und zu meinen Nase ins Ohr oder flausche ihr Fell mit meinem Gesicht.

Die Menschin ist ganz erstaunt. Sie sagt immer, dass sie niemals geglaubt hätte, dass Phoebe eines Tages Freundschaft mit mir schließen würde. Aber ich finde es schön. Wenn die Menschin nicht da ist, dann können wir uns Gesellschaft leisten und Freunde kann man nie genug haben.

Viele Grüße,

eure Tiffi

Das kleine Orakel der Straßenüberquerung…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

ich habe ja in Gute Zeiten, schlechte Zeiten… schon mal von Tiffis Stimmungsschwankungen und verschiedenen Tagesformen erzählt.

Grundsätzlich hat sich daran nicht viel geändert. Die schlechten Zeiten sind etwas weniger geworden, aber noch immer ist Tiffi ein Hund mit sehr verschiedenen Tagesformen und je nachdem wie diese aussehen kann man mehr oder weniger von ihr erwarten.

Was sich aber deutlich geändert hat, ist meine Fähigkeit die Stimmungen meines Hundes frühzeitig zu erkennen. Und dabei hilft mir vor allem das kleine Orakel der Straßenüberquerung.

Dazu muss ich kurz unsere Wohnsituation beschreiben. Wir wohnen in einer typisch deutschen Doppelhaushälfte. Vor unserer Haustür ist ein kleiner Weg zur Straße. Links von dem Weg, zum Grundstück der anderen Haushälfte hin steht ein Fahrradunterstand. Rechts vom Weg sind zwei Stellplätze. Einer vor unserem Küchenfenster und einer vor der Garage. An unsere Garage grenzt die Garage der Nachbarn vom nächsten Doppelhaus. Der Gehweg ist gegenüber unserer Auffahrt, auf der anderen Straßenseite.

Das bedeutet, dass ich mit Tiffi immer erstmal die Straße überqueren muss um auf den Gehsteig zu gelangen. Und hier zeigt mir das Orakel tagtäglich mit welchem Hund ich nun Gassi gehe. Das funktioniert folgendermaßen.

Der neutrale Hund.

Geht Tiffi neben mir, mit Schwanz auf Halbmast, aufgestellten Ohren und erhobenem Kopf, dann erwartet mich ein neutraler Hund. Das bedeutet eine Gassirunde, die nicht besonders schnell, aber auch nicht besonders langsam von statten geht. Von Tiffis Seite sind keine besonderen Vorkommnisse zu erwarten. Wenn die Außenwelt es zulässt wird sie ihre ToDo Liste mit großem Ernst und großer Sorgfalt abarbeiten. Der neutrale Hund ist allerdings sehr beeinflussbar für Außenreize. Passiert etwas schönes oder aufregendes auf der Gassirunde kann er sich in einen fröhlichen Hund verwandeln, passiert etwas negatives oder verstörendes, in einen traurigen oder ängstlichen Hund.

Der traurige Hund.

Überquert Tiffi die Straße in Zeitlupentempo, mit hängendem Kopf, Schwanz und angelegten Ohren und lässt sie sich von der Leine eher mitziehen als selber zu laufen, dann hat man es mit dem traurigen Hund zu tun. Die Gassirunde findet dann in Schneckentempo statt. Tiffi schnüffelt wenig, erledigt die nötigsten Geschäfte mechanisch und guckt mich ab un zu traurig an. Selbst andere Hunde oder Angstreize sind ihr dann egal, wenn sie ihr nicht direkt ins Gesicht springen. Nach der Gassirunde geht sie schnurstracks wieder ins Bett und schiebt den Kopf unter ihre Stofftiere. Meistens lässt sie an solchen Tagen auch ihr Frühstück stehen.

Der ängstliche Hund.

Erschrickt Tiffi bereits auf der Auffahrt vor Blättern, Geräuschen und Bewegungen, prescht sie dann panisch auf die Straße um sich schnell hinter mir zu verstecken, wenn die Leine sperrt und überquert dann Hacken schlagend die Straße als ob es sich um eine Schlangengrube handelt, dann habe ich den ängstlichen Hund an der Leine. Der Spaziergang wird sehr mühsam. Tiffi reagiert auf jeden Außenreiz ängstlich bis panisch, selbst auf solche, die ich nichtmal wahrnehme. Andere Hunde reagieren auf sie mit Dominanzgehabe und Drohungen, was unsere Situation nicht gerade verbessert. Mir tut nach so einem Spaziergang meist die Schulter weh, weil Tiffi mehrfach panisch ins Geschirr gesprungen ist und das in verschiedene, immer unerwartete Richtungen. Wenn wir nach Hause kommen will sie sofort Spielen um unser knappes Überleben in der feindlichen Außenwelt zu feiern, erschrickt sobald ich mich bewege und geht dann ins Bett.

Der fröhliche Hund.

Tiffi läuft mich hoch erhobenem Kopf und Schwanz und wild in alle Richtungen wackelnden Ohren zur Grundstückskante. Wenn ich das Zeichen gebe, dass die Straße sicher ist, rennt sie los, umkreist mich hüpfend und springt dann schwanzwedelnd auf den Gehsteig. Es steht eine lustige und etwas alberne Gassirunde bevor. Besonders schnell kommt man nicht voran. Tiffi rennt zwar viel, aber meistens im Kreis. Ausserdem muss sie ihre Nase in jedes Loch stecken um dann vor Begeisterung wieder im Kreis um mich herum zu rennen. Wenn ein anderer Hund in Sichtweite vorbei kommt, muss sie schnell pieseln um dann mit hoch erhobenem Kopf ausdrucksstark nachzuscharren. Reagiert der andere Hund darauf mit Bellen oder einem Ausfall in unsere Richtung, taucht sie schnell hinter mir ab. Allerdings nur um wieder hinter mir hervor zu schießen, wenn der Hund uns den Rücken zudreht und mich wild wedelnd anzuschauen nach dem Motto „Dem haben wir es aber gezeigt!“.

Der störrische Hund.

Dreht Tiffi auf dem Weg zur Straße erstmal Richtung Auto ab, um dann die halbe Straße zu überqueren um dort etwas auf dem Asphalt zu betrachten und mich vorwurfsvoll anzuschauen, wenn ich nicht erlaube, dass sie dort stehen bleibt, habe ich den störrischen Hund dabei. Tiffi will dann immer wo anders hin als ich. Sie biegt an Stellen ab wo wir nie abbiegen und geht geradeaus, wenn wir rechts oder links müssen. Alle paar Meter dreht sie um und geht ein Stück zurück um da hinten was zu beschnüffeln, was sie vergessen hat. Gehe ich nicht mit, stemmt sie sich ins Geschirr und versucht mich mit zu ziehen. Geht das nicht, legt sie sich auch mal hin um mich am weiter gehen zu hindern. Rufe ich sie zu mir kommt sie sehr langsam und im Slalom zu mir. Das Belohnungsleckerlie nimmt sie zwischen die Zähne um es dann demonstrativ auf den Boden fallen zu lassen.

Nun ich gebe zu, es ist gar nicht so schwierig das Orakel zu lesen. Natürlich habe ich das ein oder andere etwas überspitzt dargestellt um die Sache zu verdeutlichen. Auf jeden Fall ist es aber sehr praktisch, weil man sich so auf das kommende einstellen kann. Andererseits ist da natürlich wieder die Frage ob ich durch meine innere Einstellung das Verhalten noch verstärke. Haben eure Hunde auch verschiedene Tagesformen bei der Gassirunde?

Triebtäter und Hausmittel…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

seit einiger Zeit fiel mir auf, dass Tiffi vermehrt ihren Hintern und ihren Genitalbereich beleckte und beknabberte. Anfangs war aber nix zu sehen. Dann geschah es eines Nachmittags, dass Shep plötzlich das gemeinsame Spiel unterbrach und versuchte auf Tiffi aufzureiten. Als sie ihn entsprechend maßregelte, also ihm die Zähne zeigte und diese ein paar mal vor seinem Gesicht zuschnappen lies, ging er nicht wie üblich zurück und beschwichtigte, sondern provozierte sie regelrecht. Laura und ich gingen dazwischen und trennten die beiden. Später am gleichen Abend begann Tiffi mit Shep herumzublödeln und plötzlich versuchte er wieder aufzureiten. Erneut gingen wir dazwischen. Den Rest des Abends blieb jeder der beiden in seiner Ecke und sie schauten sich nicht mehr mit dem flauschigen Hintern an.

Wir waren etwas besorgt. Die Freundschaft der Beiden hatte sich gerade erst nochmal deutlich intensiviert. Was also passierte hier. Ich war erst wieder etwas beruhigt als sie sich zum Abschied gegenseitig die Lefzen leckten.

Ein paar Tage später waren Tiffi und ich wieder bei Shep und seinen Leuten. Beim Gassi gehen fiel mir auf, dass Tiffis Hintern und insbesondere ihre Schwanzwurzel etwas gerötet war. Sonst schien aber alles gut. Bis wir irgendwann auf der Terrasse beim Rauchen standen. Die Hunde alberten herum und zack ritt Shep wieder auf. Und diesmal lies Tiffi es geschehen. Wir gingen natürlich wieder dazwischen und trennten die zwei.

Nun wollte ich es aber genauer wissen. Zum einen beunruhigten mich die wunden Stellen am Hintern, zum anderen das Verhalten der beiden kastrierten Hundefreunde.

Schließlich fand ich heraus, dass Tiffi wohl in Rumänien kastriert, dabei aber vermutlich nicht alles komplett entfernt wurde. Dadurch kann es zu einer Art Scheinläufigkeit kommen. Dies verursacht, durch den Geruch, bei Shep den gelegentlichen Drang sie zu begatten und ist vermutlich auch die Ursache für die wunden Stellen.

Zwei sexuell verwirrte Hunde in den Griff zu bekommen ist zum Glück in unserem Fall nicht so schwierig. Beide lassen sich sehr gut abrufen und kennen das auch schon, weil sie manchmal zu sehr im Spiel versinken und dann schnell recht rabiat werden.

Ich wollte aber Tiffi natürlich nicht mit wundem Po rumlaufen lassen. Schon gar nicht bei Schnee und Kälte, wo die Haut ja eh schon gereizt ist. Also überlegte ich was zu tun sei. Klar war, dass ich bei Verschlechterung sofort zum Tierarzt fahren würde. Aber erstmal recherchierte ich nach Hausmitteln.

Dabei erinnerte ich mich an diesen Artikel von Moe an Me: Analdrüsen-Probleme – und wie wir sie in den Griff bekommen haben.

Ursprünglich kam der Tipp aber wohl von Sandra von Shiva Wuschelmädchen.

Auf jeden Fall dachte ich mir, was bei Analdrüsenproblemen hilft, hilft bestimmt auch einem wunden Po. Und schaden konnte es ja eher nicht. Also besorgte ich mir Scharfgabe in der Apotheke und Mullwindeln aus der Babyabteilung des Drogeriemarktes. Tiffi lies in ihrer typisch stoischen Art alles über sich ergehen und ich musste während der Prozedur nur die „Warum hasst du mich so sehr?“ Blicke ertragen. Und siehe da. Ein paar Tage später ist der Hintern wieder ohne wunde Stellen. Ob es nun an den Scharfgabenwickeln lag oder daran, dass die Scheinläufigkeit vorbei ist, kann ich nicht sagen. Ich hatte aber auf jeden Fall das Gefühl, dass die Umschläge geholfen haben.

Ein Jahr…

Liebe Menschin,

du sagst, dass heute ein besonderer Tag ist. Heute vor genau einem Jahr hast du mich nach Hause geholt. Während ich an dem fleischigen Stück Ochsenschwanz nage, dass du mir zur Feier des Tages geschenkt hast, denke ich darüber nach wie das war.

Mein Pflegefrauchen war schon seit Tagen so komisch. Sie hat sehr viel geweint, mich immer wieder gestreichelt und mir gesagt, dass es das beste für mich wäre. Ich habe das nicht verstanden. Aber ich war traurig, weil mein Pflegefrauchen traurig war und ich sie doch gern hatte und nicht wollte, dass sie leidet. Und dann war der Tag da. Die Nacht hatte der Mann bei uns übernachtet, der mein Pflegefrauchen oft besuchte und hatte sie getröstet, weil sie noch viel schlimmer traurig war als zuvor. Ich wollte, dass der Mann wieder geht, weil ich ihn nicht so gerne mochte. Aber stattdessen kamen noch mehr Leute. Du nämlich und der Menschenmann. Du hast mit meinem Pflegefrauchen gesprochen, mit der Stimme, die du immer für mich benutzt, wenn ich mich fürchte und für die Herde, die du tagsüber beschützt und die niemals im Ganzen bei dir ist, wenn sie sich fürchten oder traurig sind (Anmerkung: Tiffi meint meine Klienten in der Arbeit). Dann sind wir zusammen zum Auto gegangen. Ich wollte nicht einsteigen. Du warst ja nett, aber ich kannte dich eben noch nicht. Mein Pflegefrauchen hat mich dann ins Auto komplimentiert, hat die Tür zugemacht und ist weggelaufen. Du bist auf der anderen Seite eingestiegen und hast dich neben mich gesetzt. Und dann sind wir weggefahren. Du, der Menschenmann und ich. Ganz lange sind wir gefahren. Du hast mich viel gestreichelt und mich mit Hühnchen gefüttert, dass mein Pflegefrauchen dir als Proviant für mich mitgegeben hast.

Nach vielen Stunden sind wir angekommen. Das Haus war unglaublich groß. In so einem großen Haus war ich vorher niemals. Es roch ganz fremd und vor allem nach Katze. Im Wohnzimmer stand ein Bett für mich mit einer Decke. Aber als ich meine Pfote draufgestellt habe, hat es so komisch geraschelt und da habe ich mich gefürchtet. Ich habe mich auf den Vorleger vor der Terrassentür gelegt und mir erstmal alles angeschaut. Die Katzen kamen um zu gucken. Phoebe ist sofort weggerannt und ich habe sie danach wochenlang nicht gesehen. Balu war mutiger und hat mich sogar beschnüffelt. Aber ich hatte furchtbare Angst vor ihm. Erst später habe ich mich mit ihm angefreundet. Wie schade, dass er uns schon so bald verlassen musste und heute nicht mehr bei uns sein kann.

Nachts hast du mich mit ins Schlafzimmer genommen. Weißt du noch, wie ich mich vor der Treppe gefürchtet habe? Die arme Phoebe hat die ganze Nacht vor der Tür geheult. Sie konnte nicht verstehen, warum sie nicht mit ins Schlafzimmer durfte. Heute haben wir das besser geregelt. Ich darf auf meiner Couch im ersten Stock schlafen, wo ich dich, den Menschenmann und Phoebe hören kann und trotzdem meine Ruhe habe. Das Schlafzimmer finde ich nämlich immer noch unheimlich.

Weißt du noch, wie ich mich die ersten Male in der Hundeschule gefürchtet habe? Wr konnten gar nichts machen, weil ich nur schnell weg wollte. Und heute fange ich schon ganz ungeduldig an zu jammern, wenn du mich nicht schnell genug aus dem Auto lässt, wenn wir dort sind. Weil ich auch einfach nicht begreifen kann, wie man immer so lange brauchen kann. Da muss man dann wieder Schuhe wechseln und die Jacke. Lass dir doch endlich mal ein Fell wachsen!

Liebe Menschin, dass letzte Jahr war sehr aufregend und spannend und toll und ich hoffe, dass wir noch sehr viele gemeinsame Jahre vor uns haben. Ich danke dir, dass du mich aufgenommen hast und das du so geduldig mit mir bist, auch wenn ich weiß, dass es dir manchmal furchtbar schwer fällt.

Viele Küsse (ja ich weiß, die magst du gar nicht so gerne)

deine Tiffi

Copy and Paste…

Hallo Menschlinge und Hundefreunde,

wisst ihr was die Menschin oft zu mir sagt? Sie sagt, dass ich voll der Nachmacher bin.

Es ist nämlich so. Als ich aus Rumänien kam, da wusste ich wie man sich in Rumänien auf der Straße und im Shelter verhalten muss um zu überleben. Ein Shelter ist übrigens ein öffentliches Gefängnis für obdachlose Hunde. Obdachlosigkeit bei Hunden ist in Rumänien nämlich illegal und deshalb wird man gefangen und eingesperrt, wenn die einen erwischen.

Als ich dann nach Deutschland kam, kannte ich die Regeln nicht. Ich wusste nicht was hier läuft und wie das weitergehen würde. Also tat ich das, was ich ziemlich gut kann. Ich überlebte weiter.

Als ich dann aber immer mehr deutsche Hunde kennen lernte, da sah ich, dass die nicht überlebten und ich fand heraus, dass sie es oft auch niemals in ihrem Leben getan hatten. Ich fand heraus, dass auch ein Hund glücklich zu sein, Spaß haben und einfach das Leben genießen kann. Ich wollte das auch gerne lernen. Aber ich wusste eben nicht wie das gnau funktioniert.

Also fing ich eben an andere Hunde zu kopieren. Nachzuahmen, was sie tun um herauszufinden warum sie es machen. Und wenn mir das Ergebnis gefällt, dann behalte ich diese Verhaltensweise.

Mein Freund Shep ist so ein Hund, der das Leben in vollen Zügen genießt. Er ist als Baby zu Laura und Carsten gekommen und musste niemals um sein Leben fürchten. Die einzigen Kämpfe um Essen die er kannte, waren die mit seinen Geschwistern. Angst hat er nur vor wenigen Dingen wie Gewitter und lautes Knallen.

Deshalb schaue ich mir gerne Verhaltensweisen bei Shep ab. Schließlich will ich auch gerne so sein wie er. Keine Angst haben und einfach nur glücklich sein.

Zum Beispiel habe ich oft gesehen, dass Shep mit Stofftieren in der Schnauze durch die Gegend rennt und dabei sehr zufrieden wirkt. Also habe ich es ganz vorsichtig auch mal ausprobiert. Am Anfang war ich sehr über meinen eigenen Mut erschrocken, weil ich dachte, dass ich vielleicht Ärger mit der Menschin bekomme. Aber inzwischen weiß ich, dass die alle mir gehören. Ausser die kleinen, die gehören Phoebe. Aber der macht es nix aus, wenn ich mir eins von ihren ausleihe. Sie dürfte auch meine rumtragen. Aber die sind meistens genau so groß wie sie selber.

Von Shep und Panda zusammen habe ich mir abgeguckt, wie man richtig spielt. Die zwei spielen nämlich nur wenig fangen. Meistens fechten sie Scheinkämpfe aus. Sie kauen aufeinander rum, werfen sich gegenseitig um und rollen über den Boden. Das kannte ich so nicht. Die wenigen male, dass ich mich überhaupt mit Spielen beschäftigt habe, waren es gegenseitige Jagden. Kämpfe gab es zwar auch. Die hatten aber nix mit Spaß zu tun. Deshalb ist es mir am Anfang sehr schwer gefallen mich an diesen Kampfspielen zu beteiligen. Ich hatte Angst, dass die Sache vielleicht doch ernst wird. Aber nachdem ich mir das eine Weile angeschaut habe und mal einzelne Verhaltensweisen von Shep und dann wieder von Panda nachgeahmt und ausprobiert habe, habe ich festgestellt, dass das total viel Spaß macht.

Vor kurzem habe ich mir bei Shep auch die Sache mit der Pfote abgeguckt. Manchmal macht er sowas mit seiner Pfote und dann bekommt er ganz viel Lob und Leckerlie. Also habe ich versuchsweise auch mal die Pfote gehoben und Richtung Laura gestreckt, als wir beide vor ihr saßen. Ich habe dann auch viel Lob bekommen und am nächsten Tag hat mir die Menschin beigebracht, dass es dafür auch einen Befehl gib und das ich die Pfote auf ihrer Hand ablegen muss. Gar nicht so einfach für mich, weil ich es doch gar nicht mag, wenn man meine Pfoten anfasst.

Es gibt noch ein paar Sachen, die ich mir abgeguckt habe. Zum Beispiel, dass man nach geschäftlichen Erledigungen nachscharren und den Geruch verteilen kann, wenn man sich besonders mutig fühlt. Und das man an Mauern und Bäumen besser markieren kann, wenn man das Bein hebt.

Von Bran habe ich mir abgeguckt, dass man laut grummeln muss, wenn die Menschlinge zu laut sind, wenn man schlafen möchte. Sie werden dann zwar nicht leiser, aber sie wissen wenigstens, dass man genervt ist.

Von Phoebe der Katze habe ich gelernt, dass man seinen Kopf an Sachen reiben muss, die man gerne hat. Zum Beispiel macht das Sinn bei Menschen die man mag. Ich weiß zwar nicht genau warum, aber Phoebe sah dabei immer so zufrieden aus. Deshalb habe ich mir das auch angewöhnt.

Es gibt bestimmt noch andere Sachen, die ich mir im Laufe der Zeit abgeguckt habe. Aber alle fallen mir nicht mehr ein. Die Menschin hat ein bisschen Angst, weil bei uns in der Hundeschulgruppe zwei kleine Wuschelhunde sind, die immer mit ihren beiden Vorderpfoten überkreuz in der Luft wackeln, wenn sie etwas haben wollen. Sie befürchtet, dass ich das auch versuche und dann umfalle, weil ich dafür zu groß bin. Mal sehen. Vielleicht probiere ich es erstmal heimlich aus, wenn die Menschin nicht hinguckt.

Liebe Grüße,

eure Tiffi

Sehnsucht…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

ich bin ein Herbstkind. Schon immer habe ich es geliebt, wenn der Sturm mir das Haar zerzaust und die Blätter durch die Luft wirbeln. Und so freute ich mich auch letztes Jahr, als der zum Teil sehr heiße Sommer sich langsam dem Ende neigte.

Auch den beginnenden Winter begrüßte ich freudig. Die ruhige Zeit. Die Vorfreude auf Weihnachten. Der erste Schnee. Das alles war wundervoll.

Doch dann neigte sich das Jahr dem Ende zu. Die Rauhnächte begannen und Wotans wilde Jagd zeigte sich in diesem Jahr in all ihrer Kraft. Nun würde es noch genau so lange dauern bis es wieder hell sein würde, wie es schon dunkel war. Und ich fühlte mich so müde.

Nach den freien Weihnachtstagen merkte ich, dass ich morgens kaum aus dem Bett kam. Die ewige Dunkelheit erschöpfte mich. Auch Tiffi, die normalerweise jeden morgen wild wedelnd an der Tür steht, wenn ich runter komme, lag nur müde auf ihrer Couch und vergrub den Kopf im Kissen.

Und so änderten wir vorübergehend unseren morgendlichen Ablauf. Üblicherweise stehe ich auf, gehe eine Gassirunde mit Tiffi, gehe dann duschen, während ihr Frühstücksgemüse einweicht, füttere sie und trinke noch einen Kaffe, bevor wir uns gemeinsam auf den Weg zur Arbeit machen.

Im Moment stehe ich auf und lasse Tiffi erstmal in den Garten raus. Danach weiche ich ihr Gemüse ein und gehe dann duschen. Danach füttere ich Tiffi und lege mich dann nochmal zum Schlafen auf die Couch. Unsere erste richtige Gassirunde machen wir dann erst auf dem Weg in die Arbeit. Nun mag Steine werfen, wer ohne Sünde ist (seine Gassirunden immer minutiös genau ausführt und seinen Hund immer nur perfekt gesund ernährt).

Ich sehne mich danach, dass es bald wieder hell sein wird, wenn ich aufstehe. Ich sehne mich danach, dass Tiffi morgens ihre Gassirunden wieder einfordert. Dann nämlich, verweigere ich sie ihr niemals. Ich sehne mich danach keine fünf Minuten zum anziehen zu brauchen nur um dann trotzdem zu frieren.

Ich sehen mich danach um sechs Uhr morgens in eine kurze Hose und Turnschuhe zu schlüpfen, mir vielleicht noch einen Pulli überzuwerfen und einfach loszugehen. Ich sehne mich danach mit Tiffi und Shep nach der Mittwochsrunde auf dem Rasen zu liegen und zu kuscheln. Ich sehne mich danach nach der Arbeit die Terrassentür aufzureißen und Tiffi und Phoebe dabei zuzusehen, wie sie die Beete kontrollieren und sich dann gemütlich im Schatten ausstrecken.

Ich sehne mich nach der Sonne.