Trigger…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi lebt inzwischen seit 1,5 Jahren bei mir. Sie ist ein großartiger Hund. Sie hat gelernt zu Spielen, zu entspannen und einfach ein glücklicher Hund zu sein. Ich habe gelernt auf sie einzugehen, sie zu Fordern und ihr Raum und Zeit zu geben, wenn es notwendig ist.

Wir haben uns beide entwickelt und ich würde behaupten, dass wir inzwischen ein gut eingespieltes Team sind. Trotzdem gibt es nach wie vor schwierige Momente.

Wie Tiffi euch schon erzählt hat, sind wir im Moment an der Ostsee. Ich genieße die Zeit mit meinen besten Freunden die meine Herzmenschen und meine Seelenfamilie sind und Tiffi genießt die Zeit mit ihrem Hundekumpel Shep, der ihr Seelenfreund ist. 1

Gerade weil Tiffi, wenn sie mit Shep zusammen ist sehr entspannt und glücklich ist, passierte es mir heute, dass ich aus Gedankenlosigkeit ein Trauma triggerte.

Wir machten unseren üblichen Nachmittagsspaziergang am Strand. Tiffi war aufgedreht und fröhlich, rannte oft Voraus und nutze die 10 Meter ihrer Schleppleine voll aus. Immer wieder traute sie sich dicht ans Wasser und sprang dann schnell weg, wenn eine Welle vor ihren Pfoten brach. Sie stellte sich ihrer Angst und machte eine Art Spiel daraus.

Auf dem Rückweg warf ich ihr ein paar Leckerlies, die sie glücklich aus dem Sand klaubte. Sichspiele mag sie nämlich besonders gerne. Als wir schon wieder an der Treppe zu unserem Grundstück angekommen waren, begann Shep im Sand zu graben, weil er noch nicht nach Hause wollte. Tiffi hingegen wirkte recht müde und angestrengt.

Ich setzte mich also auf die Uferschutzanlage und rief sie mit einem Leckerlie in der Hand zu mir. Wollte eine kurze Sequenz Sitz, Platz und Pfote mit ihr durchgehen. Befehle, die sie ganz locker befolgen kann und die somit eine Erfolgsgarantie bieten. Doch Tiffi saß wie angewurzelt im Sand und starrte mich an. Dann versuchte sie umständlich über ihre Leine zu steigen um zu mir zu kommen, brach den Versuch ab, drehte um, versuchte es von der anderen Seite und sah mich dabei durchgehend mit großen Augen an. Sie wirkte unsicher und Hilflos. Ihr Wunsch meinem Befehl zu gehorchen war deutlich zu sehen, doch irgendwas blockierte sie. Schließlich setzte sie sich unglücklich mit dem Rücken zu mir in den Sand und sah mich über ihre Schulter an. Ich prüfte also die Umgebung. Das Meer war ruhig und es herrschte kaum Wellengang. Der Wind war nicht besonders stark. Von keiner Seite näherten sich uns fremde Menschen oder Hunde. Shep und Carsten spielten neben uns im Sand, was aber auch nichts ungewöhnliches war und sie niemals zuvor gestört hat. Laura stand daneben und schaute den Spielenden zu. Sie konnte auch nicht der Stein des Anstoßes sein… Moment mal… Stein des Anstoßes… ich hielt einen Stein in meiner rechten Hand. Ich hatte auf dem Rückweg einen Feuerstein aufgehoben, der mir gefiel und da dieser zu groß für meine Hosentasche war, hatte ich ihn in der Hand getragen. Ich hatte also in der linken Hand das Leckerlie gehalten und in der rechten Hand den Stein, als ich Tiffi zu mir gerufen hatte.

Vorsichtig legte ich den Stein in den Sand und rief Tiffi noch einmal. Sie kam sofort, vorsichtig, misstrauisch, aber ohne Verzögerung. Und nun endlich wurde mir klar, dass ich sie selbst sie getriggert hatte. Menschen die einen mit Futter locken und einem dann weh tun, dass ist etwas, dass Tiffi aus ihrem früheren Leben kennt. Und es ist eigentlich ein Trigger, der mir bewusst ist. Am Anfang hatten wir oft damit zu kämpfen. Trotzdem hatte ich es in dem Moment einfach vergessen.

Nun kam der schwierige Teil. Ich nenne es das „War-was-Spiel“.  Es ist nämlich für Tiffi wichtig, die Angst nicht zu verstärken. Ich muss also so weiter machen, als ob nichts gewesen wäre, obwohl ich sie viel lieber in die Arme schließen und ihr versichern würde, dass ihr niemals mehr Jemand weh tun wird. Obwohl ich viel lieber weinen würde, weil ihr so schreckliche Dinge angetan wurden und obwohl ich viel lieber schreien würde, vor Wut über die Menschen, die ihr so weh getan haben.

Stattdessen nahm ich den Stein wieder auf und führte Tiffi die Treppe hoch zum Grundstück. Dort legte ich den Stein auf den Tisch und wechselte die Leine vom Halsband auf das Geschirr. Am Halsband führte ich Tiffi zur Gartendusche um ihr den Sand von den Pfoten zu spülen. Sie mag das eh nicht besonders, heute wehrte sie sich aber deutlich mehr und versuchte noch intensiver auszubrechen als üblich. Danach durfte sie sich in der Abendsonne trocknen und ich überlies sie sich selbst. Im Anschluss gingen wir rein, es gab Abendessen für die Hunde und wir Menschen verließen das Haus um einen Gang über die Promenade zu machen, wärend die beiden in Ruhe schliefen.

Für Tiffi ist diese Methode die beste um die Ängste nach und nach zu vermindern. Sie merkt durch das weiterführen des normalen Programms, dass ihr nichts passiert und ihre Angst keine weiteren Folgen nach sich zieht. Trotzdem tat es mir sehr leid, dass ich den Trigger erwischt hatte, obwohl ich es besser wissen sollte.

 

Viele Grüße,

Karen

 

1. Ich bin kein Fan von Worten wie Seelenfreund, Herzmensch usw. Aber manchmal bietet die Sprache zu wenig Möglichkeiten bestimmte Dinge auszudrücken oder ich müsste erst noch 18 Beiträge dazu verfassen, was Laura, Carsten und Shep für eine Bedeutung für mein Leben und das meines Hundes haben. Von daher nutze ich diese Worte an dieser Stelle um dem Leser eine grobe Ahnung davon zu geben, wie wichtig diese Drei für uns sind.

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