„Denen ist doch langweilig!“

Vor kurzem schickte mir mein Vater den Link zu einem Artikel über Bürohunde. Es ging um rechtliche Grundlagen bezüglich Bürohunden. Grundsätzlich nichts neues für mich, da ich mich letztes Jahr, während meiner Verhandlungen mit meinem Arbeitgeber sehr intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Viel Interessanter fand ich die Kommentare unter dem Artikel. Sie waren zum Teil sehr emotional und grundsätzlich entweder absolut verteufelnd oder absolut glorifizierend.

Viele der verteufelnden Kommentare bauten ihre Argumentation darauf auf, dass Bürohundehaltung ja moderne Tierquälerei ist. Schließlich langweilen sich die armen Hunde im Büro zu Tode…

Äh Moment!

Das soll der Grund sein, der gegen Hunde im Büro spricht?

Tiffi geht jeden Tag mit mir ins Büro. Die Alternativen sind überschaubar.

  1. Ich könnte sie jeden Tag meinen Eltern aufs Auge drücken.
  2. Ich könnte sie in eine Hundepension bringen.
  3. Ich könnte sie Zuhause lassen und eine längere Mittagspause machen um mit ihr Gassi zu gehen.
  4. Ich hätte darauf verzichten können mir einen Hund anzuschaffen.

Für mich war im Vorfeld bereits klar, wenn ich die Erlaubnis meines Arbeitgebers nicht bekomme, dann bleibt die Hundesache ein Traum.

Was Tiffi so tut im Büro?

Den Großteil des Tages verschläft sie einfach. Wie die meisten Hunde es tun. Ein erwachsener Hund schläft 12 – 14 Stunden am Tag. Aufgrund ihres Charakters und unseres kleinen Teams hat Tiffi den Luxus, dass sie sich in der Geschäftsstelle relativ frei bewegen darf. Ihr Bett steht zwar in meinem Büro, sie geht aber auch gerne zu unserer Verwaltung oder meinem Chef und legt sich dort neben den Schreibtisch. Wenn sie einsam ist, weil ich vielleicht gerade beim Hausbesuch bin, versteckt sie sich in dem Büro in dem die Einteilung der Sozialen Hilfsdienste stattfindet und beobachtet heimlich die Klienten.

Wenn wir Mittag essen, liegt sie entweder in der Tür zur Mitarbeiterküche oder, bei gutem Wetter, in der Balkontür und wartet, bis die übrigen Wurstränder oder Leberkäskrusten (die es vor ihrer Zeit irgendwie nie übrig blieben) entsorgt werden müssen.

Danach gehe ich mit ihr eine Runde an den Fluß, der praktischerweise an unserem Büro vorbeifließt. Dort kann sie ihre Geschäfte verrichten und nach Herzenslust schnuffeln.

In ihrem Bett liegt ein Stoffschnabeltier mit dem sie gerne kuschelt und das auch zum Spielen genutzt werden kann. (Sie lernt aktuell, dass Spielsachen durchaus Spaß machen können.) Natürlich habe ich immer ein paar Kausnacks da, mit denen sie sich beschäftigen kann.

Insgesamt ist es in der Arbeit für sie vermutlich weniger langweilig als Zuhause. Schließlich ist immer Jemand da, der ihr die Ohren krault, auch wenn ich gerade keine Lust oder Zeit dazu habe. Zudem ist sie bis auf wenige Ausnahmen immer mit mir zusammen.

Es gibt also aus meiner Sicht viele Gründe, die gegen einen Bürohund sprechen (der Geruch, die Haare, Kollegen die sich bedroht fühlen…). Aber dass der Hund sich im Büro langweilt, ist wohl kaum eine gute Begründung.

Eine Antwort auf „„Denen ist doch langweilig!““

  1. Ich bin froh, dass ich Socke nicht ins Büro nehmen muss, aber im Notfall könnte. So ein Notfall tritt vielleicht einmal im Jahr ein und dann arbeite ich nur so lang wie gerade nötig.

    Ich gebe zu, dass ich Socke im Büro nicht gerecht werden würde. Das hat nichts damit zu tun, dass sie sich langweilt, denn wenn ich von zu Hause arbeite, dann liegt Socke auch in ihren Bereichen und schläft. Ich bespaße sich also nicht den ganzen Tag.

    Aber wir sind für An – und Abreise gute 2,5 Stunden unterwegs. Im Sommer sollte man m. E. auf solche Fahrten im Auto verzichten. Ich habe zwar ein Einzelbüro, doch bietet das Socke wenige Liegemöglichkeiten und schon gar keine Rückzugsmöglichkeiten. Ich bin oft im Hause unterwegs oder bekomme Besuch, was für die Hütesocke nicht ganz unproblematisch ist. Es ist im Sommer bei mir im Büro sehr warm. Die Umgebung ist städtisch und bietet wenig Gelegenheit zum Gassigehen.
    Ja, Socke kann in Notfällen dort ihre Tage verbringen, aber ich finde es nicht sockegerecht. Zumal müsste ich öfter Pause machen, um mit Socke Gassi zu gehen. Dies würde wiederum meinen Arbeitstag verlängern und Probleme mit der AZbuchung geben….

    Wir nutzen also eine Betreuung, wo Socke geliebt und gestreichelt wird. Sie bekommt Ihre Medizin und ihr Futter alle 4 Stunden. Man geht mit Socke Gassi oder sie liegt im Garten. Geht es ihr nicht gut, kümmert man sich. Socke hat viele Liegeplätze und Rückzugmöglichkeiten…. All das kann ich Socke im Büro nicht bieten. Daher bewundere ich Hunde, die ihren Alltag als Bürohunde meistern, aber wir leben das nicht…
    Dabei unterstütze ich aber die Aktion Bürohunde und freue mich über jeden Arbeitgeber, der die Vorteile von Hunden im Büro erkennt und diese zulässt.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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