Eine lange Woche…

Montag

Letzten Montag war der große Tag. Ich brachte Tiffy um 8 Uhr in die Tierklinik und überließ sie einem sehr netten Oberarzt. Trotzdem brach mir ihr Blick, als ich ging fast das Herz und als ich vorne an der Theke nochmal meine Telefonnummer abglich, hörte ich mein kleines Mädchen hinten über das Linoleum schlittern und musste mich sehr beherrschen um nicht zu weinen.

Im Wartezimmer…

Der Arbeitstag verlief für mich eher unproduktiv. Kurz nach der Mittagspause kam zu, Glück bereits der Anruf, dass Tiffy wach war und es ihr soweit gut ging. Sie sollte noch eine Infusion und etwas Wärme bekommen und um 16 Uhr dürfte ich sie holen.

Um 15.40 stand ich also wieder in der Klinik. Mein Auto etwas dreist am Rand der Zufahrt geparkt. Aber alle Parkplätze waren voll und ich wollte mit dem frisch operierten Hund nicht weiter laufen als nötig.

Nach kurzer Zeit im Wartezimmer hörte ich Jemanden über den Flur schlittern. Der Stationsarzt kam mit Tiffy ums Eck. Meine arme Maus war überall nackt und verpflastert und konnte noch nicht so richtig geradeaus gucken. Ich nahm sie mit ins Wartezimmer, während der Stationsarzt eine. freien Raum zur Besprechung suchte. Tiffy sah mich immer wieder kurz an, wedelte und vergaß dann wohl, dass ich da war und versuchte durch das bodentiefe, geschlossene Fenster nach draußen zu gelangen um mich dann wieder anzugucken und kurz zu wedeln. Eine Frau die mit ihrer Katze wartete guckte Tiffy ganz erschrocken an und fragte ob sie wohl angefahren worden sei.

Ausbeute der Arthroskopie…

Während der Besprechung mit dem Arzt fiel auf, dass Tiffys Brustpflaster durchsuppte. Er nahm sie also nochmal kurz mit um das Pflaster zu wechseln, während ich an der Theke all mein Geld hinterließ und mein Erstgeborenes und meine Seele verpfändete. Im nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich nicht gefragt habe ob ich beim Pflasterwechsel zugucken kann. Es ging nämlich relativ fix und ich hätte gerne gewusst wie die Tiffy festgehalten haben um das zu schaffen.

Nun dackelten Tiffy und ich endlich zum Auto. Ich wollte sie eigentlich reinheben, weil sie ja nicht springen sollte. Sie wich meinem Arm aber geschickt aus, schlüpfte an mir vorbei und saß schon auf der Rückbank, ehe ich richtig gucken konnte. Es ist erstaunlich wie schnell sie selbst dann noch ist, wenn sie eigentlich völlig neben sich steht. Auf der Rückfahrt jammerte sie viel. Leider brauchten wir statt der üblichen 30 Minuten ganze 1,5 Stunde n, weil wir in den münchner Feierabendverkehr gerieten.

Dienstag

Den Tag nach der OP verbrachte Tiffy bei meiner Mutter, da ich im dritten Stock ohne Aufzug arbeite und an diesem Tag einen längeren Aussentermin hatte. Schon beim Abholen sagte mir meine Mutter, dass Tiffy den Tag über immer mal wieder Durchfall hatte.

Kaum Zuhause schaffte es Tiffy irgendwie sich mit der Hinterkralle das Brustpflaster halb zu entfernen. Ich legte also Mull und Pflaster bereit, die man mir in der Klinik mitgegeben hatte und begann vorsichtig das restliche Pflaster zu lösen. Tiffy weinte erbärmlich und wehrte sich nach Kräften. Also holte ich eine Schüssel mit warmem Wasser und durch vorsichtiges anfeuchten der Pflasterränder, konnte ich es schließlich lösen. Das Anbringen des neuen Pflasters war ein Kampf und ich hatte definitiv ungefähr 8 Arme zu wenig. Schließlich sah ich mich gezwungen Tiffy sehr laut und deutlich mitzuteilen, dass sie liegen bleiben muss. Das zeigte Wirkung, tat mir aber natürlich schrecklich leid.

Improvisierter Schutzärmel…

Nachdem wir fertig waren und Tiffy wieder in ihrem Schutzshirt steckte, kontte sie sich gar nicht beruhigen. Sie hechelte, wanderte durchs Wohnzimmer, kam immer wieder zu mir zum streicheln. Ich kapierte zu spät, dass das gar nicht ausschließlich an der Pflasterodysee lag, sondern daran, dass sie dringend musste. Tiffy wusste sich schließlich nicht mehr zu helfen und hockte sich auf den Boden.

Dies war der Beginn einer furchtbaren Nacht, in der ich niemals eine Stunde am Stück schlief, weil die Maus dann wieder raus musste.

Mittwoch

Morgens fuhr ich gleich mit ihr zum Tierarzt, der ihr eine Spritze gab und verordnete die Schmerzmittel nach Möglichkeit nicht mehr zu geben. Ausserdem bekamen wir noch riesige Magentabletten mit.

Der restliche Tag verlief recht ruhig. Nach dem Tierarzt nahm ich Tiffy mit zu einem zweistündigen Termin in unserer Aussenstelle, den sie friedlich verschlief. Danach nutzte ich meine Leitungsprivilegien schamlos aus und arbeitete im Homeoffice weiter.

So müde nach der letzten Nacht

Tiffy hatte Mittags nochmal Durchfall und danach war Ruhe. Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag schlief sie gut durch.

Donnerstag

Donnerstag nahm ich Tiffy das erste Mal wieder mit in die Arbeit. Ich ging sehr zeitig los und wir nahmen den Weg ganz gemächlich. Trotzdem war Tiffy völlig fertig als wir ankamen und musste erstmal ganz viel schlafen.

Nachmittags musste ich zu einem kurzen Aussentermin und bat unsere Verwaltungskraft ein Auge auf Tiffy zu haben. Kurz nachdem ich weg war, ging sie in mein Büro und stellte fest, dass Tiffy nicht mehr in ihrem Bett lag. Nach einer kurzen Suche fand sie die Flüchtige auf dem Balkon, wo Tiffy sich versteckt hatte um in Ruhe zu versuchen ihr T-Shirt abzulegen. Als ich zurückkam, lag Tiffy beleidigt in ihrem Bett, weil sie geschimpft bekommen hatte. Obwohl meine Mitarbeiter sonst niemals mit ihr schimpfen.

Am Abend fuhren Tiffy und ich mit dem Bus nach Hause, weil ich ihr den Weg nicht nochmal zumuten wollte. Dafür, dass sie vorher noch nie Bus gefahren ist und Angst vor Bussen hat, war sie sehr tapfer.

Die erste Busfahrt

Die Nacht von Donnerstag auf Freitag war sehr unruhig, weil Tiffy ständig versuchte an ihren Wunden rumzulecken.

Freitag

Tiffy und ich wollten wieder mit dem Bus in die Arbeit. Leider erwischten wir den falschen Bus, weil ich nicht wusste, dass es für die gleiche Busnummer noch eine Sonderline für die Schulen gibt und mussten dann doch noch ein Stück laufen.

Erschöpft in der Arbeit…

Trotzdem war der Arbeitstag recht kurz und ereignislos. Ich rief Vormittags in der Klinik an und erkundigte mich nach dem Befund des Knotens. Man sagte mir, dass ein Ergebnis vorliegt und der Arzt mich zurück rufen würde.

Mittags mussten wir dann nach Hause laufen, weil aufgrund des Altstadtfestes keine Busse mehr durch die Innenstadt fuhren.

Nachmittags kam meine Mutter für zwei Stunden vorbei und passte auf Tiffy auf, damit ich ohne Sorgen zum Friseur gehen konnte.

Am Abend war Nachkontrolle beim Tierarzt. Er war zufrieden, weil der Durchfall so schnell weg war. Die Pflaster fand er noch okay und sagte, dass die sich einfach von selbst ablösen sollen und dann auch keine neuen mehr drauf müssen.

Entsetzt reagierte er, als er erfuhr, dass in der Klinik keine selbstauflösenden Fäden verwendet wurden und er die ziehen muss. Er gab mir ein pflanzliches Beruhigungsmittel mit, dass Tiffy morgens und Nachmittags vor dem Termin einnehmen soll. Trotzdem bat er mich sie nach dem Frühstück nüchtern zu lassen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass eine Sedierung notwendig wird sehr hoch ist.

Nach dem Tierarzt rief ich nochmal in der Tierklinik an. Der Arzt sei im OP. Vielleicht würde er noch heute anrufen, aber eher am Montag.

Kurz vor 21 Uhr klingelte mein Handy. Der Arzt war endlich aus dem OP raus. Der Knoten war gutartig. Nur ein Fettgeschwulst. Berge fielen von meinem Herzen. Tiffy fand es hauptsächlich irritierend, dass ich sie abknutschte.

Die Nacht war wieder unruhig, da Tiffy ständig an sich rumleckte.

Samstag

Der Samstag kam heiß und sonnig daher. Morgens fuhr ich mit Tiffy zur Hundewiese, was sie sichtlich genoss, auch wenn wir nicht so weit gehen konnten, weil sie immer noch recht stark humpelt.

Danach wusch ich Tiffys Schutzkleidung im Schnellwaschgang und hängte sie dann raus in die Sonne zum trocknen. Da alles so schlimm juckte, musste ich sie die ganzen zwei Stunden kraulen und streicheln, damit sie nicht kratzte und leckte.

Gerupftes Hundehuhn…

Bevor ich sie wieder anzog, cremte ich alle rasierten Stellen und die Pflasterränder mit einer hypoalergenen Hautcreme ein um den Juckreiz zu lindern. Tiffy war kurz skeptisch, genoss das eincremen dann aber sehr.

Am Abend lies ich Tiffy mit dem Mann alleine, da ich mit meinem Mittelalterverein für eine Feuershow gebucht war. Davon abgesehen, dass ich nach der Woche sehr müde war, hingen meine Gedanken auch durchgehen Zuhause bei Tiffy. „Ist alles okay?“ „Kommt der Mann klar, wenn sie sich das Pflaster abreisst oder eine Wunde aufgeht?“

Wieder Zuhause stellte ich fest, dass Tiffys Shirt zwar am Bauch etwas feucht vom lecken war, sonst war aber alles in Ordnung.

Die Nacht verlief recht entspannt.

2 Antworten auf „Eine lange Woche…“

  1. Das war ja wirklich eine lange, aufregende, anstrengende und sicher auch nervenaufreibende Woche. Nur gut, dass der Knoten nichts Schlimmes war – der Rest wird sicher auch weiterhin gut heilen.
    Was die Anzahl der benötigten Hände bei einem Verbandswechsel angeht, da kann ich zustimmen – wie oft wünschte ich mir schon, die indische Göttin Durga zu sein mit ihren zehn Armen!

    LiebeGrüße und weiterhin gute Besserung,
    Isabella mit Cara und Shadow

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