Selbsternannte Hundeprofis (Blogparade)

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffys Freundin Shiva und ihr Frauli haben zu einer Blogparade aufgerufen und da reihen wir uns natürlich auch ein.

Grundsätzlich stelle ich mal die Behauptung in den Raum, dass ich sehr offen und zugänglich für Tipps und Vorschläge bin. Ich profitiere gerne von den Erfahrungen anderer und insbesondere in Hinsicht auf Tiffys Arthrose bin ich für neue Ideen und Anregungen immer Dankbar.

Es gibt aber eine Sache, mit der komme ich überhaupt nicht gut zurecht. Und das ist die „ich weiß Alles und du Nichts Einstellung“ mancher Leute. „Was ich sage ist Gesetz!“, „Ich spreche nur die Wahrheit und meine Erfahrungen gelten für alle Hunde auf der Welt“

Ganz im Ernst, da stellt es mir die Nackenhaare auf! Ich will euch ein paar Beispiele nennen, damit klarer wird, wovon ich spreche.

Zieh ihr besser ein Geschirr an:

Neulich Abend ging ich mit Tiffy eine Runde um den Block. Da es ja nur eine kurze Runde werden wollte, nahm ich nur Halsband und Leine mit und kein Geschirr. Im letzten Drittel der Strecke, merkte ich plötzlich, wie sich Tiffy anspannte (ich schaute gerade aufs Handy, weil ich nebenher Wizards Unite spielte… wer ohne Sünde ist, werfe das erste Smartphone…) und hörte Jemanden brüllen. Im Hochschauen sah ich eine Bulldogge quer über Feld auf uns zudonnern und einen Mann, der rufend hinterher stürmte. Ich trat dem Tier in den Weg und brüllte es an, weshalb der Bulli einen Haken schlagen musste und nicht mit voller Wucht in Tiffys Seite preschen konnte. Trotzdem begann er Tiffy zu bedrängen und schwups, war sie auch schon aus dem Halsband geschlüpft und auf der Flucht. Dank 2,5 Jahren Bindungsarbeit konnte ich Tiffy wieder zu mir rufen. Praktischerweise bekam ich dabei den Bulli am Geschirr zu fassen, der ihr ja immer noch auf den Fersen war und konnte ihn an seinen hysterischen Besitzer übergeben, der sich immer wieder versuchte zu entschuldigen und mir unbedingt helfen wollte, Tiffy wieder einzufangen. Nachdem ich ihn mit knappen Worten weggeschickt hatte, ging ich auf Tiffy zu. Sie setzte sich auch hin um sich anleinen zu lassen, wich mir jedoch jedes Mal aus, wenn ich ihr das Halsband umlegen wollte, weil sie das schon im Haus kaum ertragen kann und es draußen viel zu schlimm für sie war. Ich musste also meinen nackten Hund, ohne Leine, an der Straße entlang nach Hause führen.

Diese Geschichte, beschrieb ich in der Facebookgruppe, in der sich die Besitzer der „Ein Herz für Streuner“ Hunde austauschen um die Wichtigkeit der doppelten Sicherung in der Zeit nach der Adoption zu betonen. Ein kommentar zu meinem Beitrag lautete „Zieh ihr doch besser ein Geschirr an! Meine Hündin kommt mit Halsband gar nicht klar.“

Ähm… okay. Weil deine Hündin mit Halsband nicht klar kommt, soll ich meiner jetzt ein Geschirr anziehen? Zum einen kam in meinem Beitrag deutlich heraus, dass Tiffy üblicherweise ein Geschirr trägt. Zum anderen, hat Tiffy am Geschirr deutlich mehr Probleme als am Halsband und in Angstsituationen ist sie nur am Halsband führbar.

Asphalt ersetzt Krallenpflege:

Nöle, einer von Tiffys lieben Twitterfreunden, beschwerte sich darüber, dass er schon wieder eine Pfotiküre (Krallen schneiden und pfeilen) über sich ergehen lassen müsse.

Jemand schrieb: „Also wenn man regelmäßig Asphalt läuft, spart man sich das.“

Das ist einer dieser wahnsinnig hartnäckigen Mythen und entsprechend hätte diese Aussage an sich mich noch gar nicht gestört. Das die Dame allerdings auf entsprechende Versuche der Richtigstellung von verschiedenen anderen Twitterern extrem beleidigt reagierte und diese zum Teil blockierte, lies mich doch etwas stärker mit dem Kopf wackeln.

Der arme Hund:

Mein persönliches Highligt an aggressiver Einmischung war eine Dame, die auf einen Twitterpost von Tiffy bezüglich der Arthrose mit zunächst freundlichen Tipps reagierte. Ich solle doch mal Traumeel probieren und ein Nahrungsergänzungsmittel (habe ich leider wieder vergessen). Ich bedankte mich artig, stellte kurz klar, dass Homöopathie und ich nicht zusammen kommen und ich deshalb kein Traumeel verwende und fragte genauer nach dem Nahrungsergänzungsmittel, weil ich davon noch nichts gehört hatte und es wirklich interessant klang.

Die nächste Nachricht der Dame war bereits etwas weniger freundlich, was wohl auf meine persönliche Ablehnung von Hömöopathie zurück ging, die sie als persönliche Beleidigung all ihrer Werte und Lebenseinstellungen auffasste (anders kann ich mir das nicht erklären). Aber als Weltretter versuchte sie natürlich noch mich und meinen Hund zu retten und legte mir nahe die Schmerzmittel weg zu lassen, weil die nicht wirksam seien. Wenn ein Schmerzmittel nämlich nach spätestens drei Tagen keine vollkommene Schmerzfreiheit erwirkt, ist es absolut wirkungslos!

Und nun begann der Spaß erst richtig. Ich merkte nämlich an, dass mir dies zum Einen aus meiner persönlichen Erfahrung anders bekannt wäre und mir dies von Tiffys Tierärzten auch anders erklärt worden sei. Daraufhin antwortete sie, dass die Tierärzte ja schließlich nur Geld machen wollten und deshalb keinerlei Interesse an einer Schmerzfreiheit des Hundes hätten, weil ich sie dann schließlich nicht mehr bezahlen würde (jetzt wisst ihr es, ihr Tierärzte da draußen…). Ich bat sie, nach wie vor höflich, an dieser Stelle einen Punkt zu machen, da mindestens Tifffys Haustierarzt über jeden Zweifel erhaben und ausserdem ein guter Freund der Familie sei (eigentlich von Sheps Familie, aber so genau wollte ich das mit dieser frau dann auch nicht diskutieren). Darauf antwortete sie mit: „Der arme Hund!“

Nun gut. Danke für das Gespräch! Ich habe sie danach blockiert und sie mich auch.

Ich könnte noch unmengen dieser Beispiele erzählen. Menschen die mich auf der Straße ansprechen, weil mein Hund humpelt und mir zum Teil aggressiv nahe legen zum Tierarzt zu gehen und mir nicht glauben wollen, dass sie bereits in Behandlung ist. Menschen, die mir zur Horizontaltherapie raten und nicht gelten lassen, dass Tiffy sich eher in unserem Gartenteich ertränken würde, als sich Strompads auf die Füße kleben zu lassen und so weiter.

Diese Menschen wissen nämlich viel besser, was für meinen Hund richtig und falsch ist und alle meine Erfahrungen mit diesem besonderen Hund, als das gesammelte Wissen und unsere Beziehung sind nichtig, im Schatten ihrer leuchtenden Weisheit…

Viele Grüße,

Karen und Tiffy

3 Antworten auf „Selbsternannte Hundeprofis (Blogparade)“

  1. Ich kann Dich gut verstehen, muss aber sagen, dass ich mir bei einigen sehr ähnlicher Begegnungen und Gegebenheiten nie weiter Gedanken darüber gemacht habe. Ich bin (meistens) sehr entspannt bei solchen Dingen und denke mir dann oft, dass eben jeder nur aus seinen Erfahrungen gelernt hat und die auch gerne weitergibt. Ich habe allerdings auch manche Leute schon einfach stehen lassen und auch Online-Dialoge einfach beendet.

    Viel schwerer tue ich mir da mit Webseiten oder auch Blogs auf denen die einzig richtige Erziehungs-, Fütterungs, oder Behandlungsmethode angepriesen wird. Denn leider ist das Internet mittlerweile für viele der einzig akzeptierte Berater … und wer nicht reflektiert und selektiert, der kann da manchmal schon einen schlechten Rat finden. Denn es ist doch so wie bei uns Menschen auch, jeder Hund ist anders und daher muss man alles was man tut auch auf den einzelnen Hund anpassen.

    Liebe Grüße,
    Isabella

    1. Ich schaffe es leider oft nicht da drüber zu stehen.
      Bei Blogs und Webseiten ist es halt so, dass ich selber entscheide diese zu lesen und die dort beschriebenen Dinge zu nutzen oder umzusetzen.
      Bei aggressiven Ratschlägen versucht mir Jemand von Aussen etwas aufzudrängen.

      Liebe Grüße,
      Karen

  2. Bei meiner kleinen Maus habe ich auch schon oft ungefragt Ratschläge bekommen.
    Ich nehme grundsätzlich gerne Hilfe an, aber gewisse Kommentare und Tipps müssen nicht sein. Liebe Grüße von Jessica

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