Stille Momente

Der erfolgreichste Tweet den ich jemals gepostet habe, ist zugleich auch der traurigste, den ich schrieb.

Wir kehrten am Sonntag aus dem Urlaub zurück und der Alltag nahm uns sofort wieder gefangen. Erst am Mittwoch traf ich auf dem Weg zum Einkaufen meine Nachbarin. „Hast du schon gehört…?“ Nein ich hatte noch nichts davon gehört. Die achtjährige Schäferhündin unseres anderen Nachbarn war während meines Urlaubs gestorben. Hatte mit ihrem Herrchen geschmust, sich in ihr Körbchen gelegt und einfach aufgehört zu leben.

Nun wurde mir aber klar, dass ich die Hündin und ihr Herrchen nicht einmal zu Gesicht bekommen hatte, seit ich wieder da war und dass das ungewöhnlich ist.

Am gleichen Abend noch blickte ich das erste mal zu der passenden Uhrzeit aus dem Fenster und sah den Nachbarn, der traurig und alleine die Hunderunde lief. Am nächsten Tag wieder. Mir brach tatsächlich beinahe das Herz. Ich kenne diesen Schmerz und fürchte ihn immer ein wenig, wenn ich unsere drei Tiere und meinen geliebten Patenhund Shep ansehe.

Das mein Tweet so erfolgreich war, sehe ich als ein Zeichen dafür, dass die meisten von uns diese Trauer kennen und fürchten und mit denen, die diese Art von Verlust verarbeiten müssen mitfühlen.

Erstaunt hingegen haben mich die Vorschläge ihm doch einen neuen Hund (aus dem Tierheim) zu besorgen. Erstens kann ich ein Tier doch nicht durch ein anderes Tier ersetzen und dadurch die Trauer verschwinden lassen. Ich habe einen Hund und zwei Katzen und trotzdem schmerzt der Verlust meines 19 Jahre alten Katers vor drei Jahren noch immer. Zweitens kennen die Leute weder mich, noch meinen Nachbarn, noch unser Verhältnis zueinander. Drittens halte ich nichts davon trauernde Menschen zu entmündigen. Sie müssen selbst entscheiden, wann und ob sie bereit sind ihr Leben und ihre Herzen für ein neues Tier zu öffnen. Ich bin ziemlich sicher, dass dieser Nachbar sich wieder einen Hund anschaffen wird. Aber wann er dies tut und was für ein Hund das sein wird, ist nicht meine Entscheidung. Das liegt ganz alleine bei ihm.

Zuletzt bleibt nur zu sagen: Lebe wohl Angie. Du warst ein wunderschöner und großartiger Hund, der von vielen Menschen geliebt wurde. Danke, dass du Tiffi zumindest kurze Zeit gezeigt hast, was es bedeutet ein Schäferhund (wenn in ihrem Fall auch nur zum Teil) zu sein.

Eine Antwort auf „Stille Momente“

  1. Der Tod des geliebten Haustieres ist mit das Schlimmste was passieren kann. Ich habe große Angst vor diesem Zeitpunkt. So einmalig und individuell unsere Tiere sind, so individuell sind auch die Halter. Und so hat jeder das Recht so zu trauern, wie er möchte. Der eine möchte kein neues Tier, der andere schafft es nur mit einem neuen Tier. Diese Entscheidung kann einem niemand abnehmen und ein Tier muss man sich sowieso selbst aussuchen.

    Vielleicht kann man sich für den Trauernden etwas Zeit nehmen, nach seinem Befinden fragen, mal horchen, wie es ihm geht und ihn von seinem Tier, seinen Sorgen und Gefühlen erzählen lassen.

    Viele nachdenkliche Grüße
    Sabine mit Socke

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