Das ist doch schwierig…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

Tiffi und ich besuchen ja nun schon einige Zeit die Junghundegruppe. Da sich in diesem Übergang von der Welpengruppe aber einige dazu entscheiden die Hundeschule zu verlassen, einige wieder kommen, deren Hunde in der Pubertät plötzlich schwierig werden und unsere Trainerinnen gerade ein bisschen umstrukturieren, arbeiten Tiffi und ich in wechselnden Gruppen. Lediglich Tiffi und Foxy der Foxterrier sind stabil in der Freitagsgruppe um 16 Uhr. Die anderen wechseln durch.

Das führt auch dazu, dass jede Woche wieder eine gewisse Verwirrung auftaucht. Man kann sich das so vorstellen. Alle Hunde werden einzeln durch eine mit Cavalettis (sowas wie diese Hindernisse für Springpferde aber in Klein) abgegrenzte Strecke abgerufen und müssen ohne Leine neben ihrem Besitzer zurück zum Platz gehen. Sie machen das mehr oder weniger gut. Die Trainerin korrigiert, lässt die Übung wiederholen bis sie sitzt und fordert alles von Hund und Besitzer.

Dann werden wir aufgerufen und die Trainerin sagt: „Was meinst du, was Tiffi schaffen kann?“ Ich berate mich kurz mit ihr, trete dann neben die abgesteckte Strecke. Ich lasse Tiffi absitzen, gehe zwei Meter zurück, knie mich hin und rufe Tiffi. Sie geht langsam, seitlich auf mich zu, schleift die Leine dabei hinter sich her. Wenn sie an meiner Hand ankommt, seufzt sie erleichtert und wedelt wild. Ich lobe sie, nehme die Leine auf, stehe langsam auf und gehe an unseren Platz zurück. Die Trainerin überschlägt sich fast vor Begeisterung.

Später, beim gemeinsamen Spiel kommen die Fragen. Unschuldige Neugier, was mit meinem Hund nicht stimmt. Wenn ich erzähle, dass wir schon über ein Jahr in die Hundeschule gehen, sind die ersten ganz erschrocken. Die anderen Hunde in der Junghundegruppe sind ja erst knapp ein Jahr alt. Wenn ich erkläre, dass die Trainerin so begeistert ist, wenn Tiffi etwas scheinbar leichtes tut, weil es für uns so schwierig war überhaupt an diesen Punkt zu kommen, kommen die mitleidigen Blicke. Ich bleibe geduldig. Erkläre, warum Tiffi manchmal in einer Übung einfach aufsteht und sich hinter Foxy oder hinter einem Stuhl versteckt und warum ich darauf so völlig gelassen reagiere. Tiffi bekommt manchmal einfach Angst und sucht dann die Sicherheit eines befreundeten Hundes oder eines Verstecks. Das hat nichts mit Entzug des Gehorsams zu tun. Es ist nicht das gleiche, wie wenn einer der Junghunde während der Übung ein bisschen spazieren geht oder einen der anderen zum Spielen auffordert.

Man fragt nach Tiffis Geschichte. Ich erzähle soviel ich eben von ihrer Vergangenheit weiß. Traurige Blicke und dann sagt irgendjemand eine der vielen Variationen von: „Das ist doch Schwierig mit der…“ „Da hast du dir ja eine Aufgabe ausgesucht.“ und ähnliches.

Ja. Manchmal ist es schwierig mit Tiffi. Vor allem am Anfang war es das. Die üblichen Trainingsmethoden bewirkten nur mehr Angst. Leckerli-Suchspiele um den Hundeplatz positiv zu verknüpfen? Tiffi bekam Panik und versuchte durch den Zaun zu brechen. Spiele ohne Leckerli um den Hundeplatz positiv zu verknüpfen? Tiffi versteckte sich im hintersten Eck.

Nur mit ganz kleinen Schritten und ganz individuell ausgedachten Methoden war es möglich. Mit einer großartigen Trainerin, die uns nicht aufgab, sondern eine besondere Herausforderung darin sah sich Übungen auszudenken, die Tiffi auch bewältigen konnte.

Klar wünsche ich mir manchmal einen Hund, zu dem ich mich auf den Boden werfen kann ohne, dass sie erstmal die Flucht ergreift. Einen Hund der ohne Leine laufen kann. Einen Hund, der an schlechten Tagen nicht schreiend umfällt, weil ich beim Anziehen meiner Weste den Arm komisch bewegt habe.

Aber dann sehe ich Tiffi an. Ich sehe die Fortschritte, die sie gemacht hat. Ich sehe, wie sie mir den Kopf auf mein Bein legt. Ich sehe wie sie mit mir rumalbert und spielt. Und dann weiß ich, dass ich den großartigsten Hund der Welt habe und dass wir zusammen alles schaffen können.

Eine Antwort auf „Das ist doch schwierig…“

  1. Es ist gut, dass Tiffi zu Dir gekommen ist, denn Mitleid ihres Hundehalters würde ihr nicht helfen.
    Ich kenn die mitleidigen Blicke, wenn ich berichte, dass Socke erkrankt ist oder, dass ihr Fell viel Pflege bedarf.
    Ich bin froh, dass Socke mich bgeleitet, auch wenn wir viele Einbußen erleben. Sie ist der Hund, den ich möchte. Verstehen kann man das sicher nur, wenn man in der Situation ist. So wie Du eben auch. Ihr macht das gut.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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