Verunsicherungen…

Liebe Blogleserinnen und Blogleser,

am Freitag fuhren wir mit vier Autos und zwei Hängern auf den Mittelaltermarkt. Nach der Ankunft gingen Laura und ich zur Veranstaltungsleitung um uns unseren Platz zuweisen zu lassen. Die anderen warteten mit den Hunden am Auto. Tiffi und Shep saßen auf der Hundedecke auf meiner Rückbank. Shep war wohl sehr aufgeregt. Carsten versuchte ihn zu beruhigen. Tiffi wurde das irgendwie zu eng und sie versuchte auszusteigen. Allerdings war sie noch angeschnallt und blieb deswegen mit der Hinterpfote am Türrahmen hängen. Als wir zurückkamen und mit den beiden eine kleine Pieselrunde drehten, sah ich etwas Blut an ihrem Hinterbein. Da sie aber nicht humpelte, ging ich davon aus, dass sie sich die Kralle wieder aufgerissen hatte. Erst als ich etwas später genauer nachsah, stellte ich fest, dass die Kralle, neben der, die sie sich vor zwei Wochen abgebrochen hat auch zu einem großen Teil fehlte. Sie hatte sie beim Sprung aus dem Auto wohl abgerissen.

So verbrachte ich den Markt mit einem etwas mulmigen Gefühl. Ich desinfizierte die Wunde und machte einen Verband. Dieser wurde allerdings schnell feucht. Also trug ich regelmäßig Silberspray auf und verpackte die Pfote zum Schutz in ihrem Pfotenschuh. Man glaubt ja gar nicht, wie so ein Hundefuß zu stinken anfängt, wenn der Schweiß nicht abtransportiert wird. Am Sonntag telefonierte ich mit einem Tierarzt, der mir riet sie weiter zu beobachten. Am Montag kam ein ehemaliges Gruppenmitglied mit seiner Frau vorbei, die Tierärztin ist. Sie warf einen Blick auf die Kralle und beruhigte mich. Alles nicht so schlimm. Nachdem wir Montag auf Dienstag bis 4 Uhr morgens mit Abbau, Transport und Entladen beschäftigt waren, hiefte ich mich am Dienstag trotzdem um 10 Uhr aus dem Bett und fuhr zu meinem Tierarzt. Auch er teilte mit, dass die Wunde gut verheilte und zeigte sich erstaunt, dass ich es unter Marktbedingungen geschafft hatte eine Entzündung zu vermeiden.

Zum einen war ich stolz, weil ich Tiffi trotz allem gut verarztet hatte und weil ich ein gutes Gefühl für den Zustand meines Tieres habe. Zum anderen verunsicherte mich, dass ich mir selbst nicht genug vertraue. Eigentlich habe ich immer ein gutes Feeling für meine Tiere. Ich weiß, was ich selber machen kann und wo ich Hilfe brauche. Ich kann gut einschätzen ob ein Tierarzt nötig ist oder ob ich etwas selber behandeln kann. Aber zugleich habe ich Angst einen unverzeihlichen Fehler zu machen. Was wäre, wenn ich eine dramatische Verletzung zu harmlos einschätze und Tiffi deshalb einen Fuß verliert? Was ist, wenn ich nicht rechtzeitig reagiere und es sie das Leben kostet?

Mit Balu bin ich diesen Grenzgang jahrelang gegangen. Durch seine schwere Krankheit war ich immer wieder gezwungen Entscheidungen zu treffen. Behandlungen anzunehmen oder abzulehnen. Untersuchungen zuzulassen oder zu verweigern. Zu entscheiden wann ich zum Tierarzt muss. Abzuwägen, was Unwohlsein durch die Grunderkrankung und was eine eigene Erkrankung sein könnte.

Doch trotz alle dem hat es seinen Schrecken nicht ganz verloren. Ich habe die Verantwortung für ein anderes Leben übernommen. Tiffi und Phoebe vertrauen mir. Sie können nicht für sich selbst entscheiden. Wenn ich sie falsch ernähre, müssen sie es ausbaden, obwohl sie keine Wahl haben als zu essen, was ich ihnen gebe. Wenn ich eine Krankheit nicht rechtzeitig erkenne, dann müssen sie leiden. Wenn ich im Sommer die Hitze des Bodens unterschätze, dann muss Tiffi mit verbrannten Füßen herumlaufen. Und so weiter…

Erscheint euch diese Verantwortung auch manchmal so riesig? Oder geht das nur mir so?

3 Antworten auf „Verunsicherungen…“

  1. Wie gut, dass Du alles so super versorgt hast.
    Zu Deiner Frage kann ich nur sagen, ich kenne das Gefühl der Unsicherheit bei Problemem mit meinen Hunden auch – zum Glück nur sehr selten. Meistens kann ich sehr gut entscheiden, was ich mache und ob und wann ich einen Tierarzt brauche. Aber es gibt auch immer mal Situationen, da werde ich unsicher. Meistens sind das Momente, die mich an etwas erinnern was schon einmal war und nicht gut war. Da gehe ich auch lieber einmal mehr zum Tierarzt als einmal zu wenig.
    Natürlich ist die Verantwortung groß – aber bei manchen Dingen muss man sich einfach darauf verlassen, dass man richtige und vernünftige Entscheidungen trifft … oder seine Entscheidung rechtzeitig überprüft, wenn man zu unsicher ist.

    Ich bin mir sicher, Du machst es sehr gut!

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

  2. Mir geht das auch so. Besonders am Anfang, als ich plötzlich die Verantwortung für die beiden Hunde trug, die vorher meine Eltern hatten. Ich habe die Ernährung geändert, das Impfen reduziert und war mir häufig sehr unsicher, ob ich es richtig mache. Heute ist das auch noch oft so. Ist das starke Hecheln normal? Sind die Krallen zu lang? Sind die Hundebetten gut für die Gelenke? Dieser Zahn sieht stumpf aus, der ist doch nicht etwa abgebrochen? Ist das eine normale Warze oder sollte der Tierarzt sich das anschauen? Geht es den Hunden wirklich gut, oder übersehe ich irgendetwas? Ich denke eigentlich, es ist normal, wenn man hin und wieder verunsichert ist. Am Ende wird man es schon richtig machen, wenn man sich auf sein Wissen und seine Intuition verlässt…

  3. Auch hier schwingt immer ganz viel Unsicherheit mit, ob wir alles richtig machen. Ich denke das ist normal, genauso wie Zweifel und das falsche Bauchgefühl.
    Ich wünsche schnelle Genesung.

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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